Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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2 unseren Willen frei von allen unlautern, selbstsüchtigen Beweggründen erhalten und das Gute nur um des Guten willen üben. איזהו גבוד הכובש׳• את יצרו »Nur der ist ein Held, der die moralische Macht besitzt, den Sieg über seine Neigungen zu erringen und nicht nur pflichtgemäss, sondern auch aus Pflicht zu handeln.« 4) Und die Anleitung zu diesem Kampfe, die Mittel diesen hohen Preis zu erringen reicht uns das Judenthum in dem halachisehen Theile seiner Lehre. Gott wird als das Vorbild der vollendeten Sittlichkeit und der höchsten Heiligkeit hingestellt und uns wird befohlen: והתקדשתם והייתם קדשים כי קדוש אני »Ihr sollt euch heiligen, heilig sei euer Wollen und eure That, denn ich euer Gott bin heilig«, 5) dem ihr, soweit es dem Menschen möglich ist, ähnlich werden sollet. והלכת בדרכיו »Du sollst wandeln in seinen Wegen»; 6) in all deinem Wollen, in deinen Entschlüssen und Thaten sei Gott dein Vorbild, ihm sollst du nachstreben. Mit der Vorstellung der erhabenen Gottesidee in unserem Bewusstsein sollen nach dem psychologischen Gesetze der Ideen-Association zugleich die ethischen Vorstellungen, Pflichten, Gebote und Ideen lebhaft vor unsere Seele treten und die Motive unseres Wollens und Thuns bilden. Und je öfter die erhabene Gottesidee in unserem Bewusstsein rege wird, je grösser die Zahl ihrer Berührungspunkte ist, und je inniger diese mit einander verbunden werden, desto reiner, klarer und bleibender wird der Eindruck in unserer Seele und desto schneller und lebhafter erwacht in uns die Vorstellung von Tugend und Pflicht. Darum umfasst die Halacha das Leben des Menschen in allen seinen Verhältnissen und Beziehungen. Von der Wiege bis zum Grabe begleitet sie ihn; wenn er aufsteht und wenn er sich niederlegt, zu Hause und auf der Reise, an den Tagen der Arbeit und an denen der Erholung, im Ueberfluss und in der Dürftigkeit, im Genüsse und in der Entbehrung, in der Familie und in der bürgerlichen Gesellschaft immer und überall steht sie ihm zur Seite, ertheilt sie ihm die heilsamsten Lehren, zeigt sie ihm in dem erhabenen Vorbilde seine eigentliche Menschenwürde; sie ruft ihm zu בכל דדיך דעהו והוא יישר א־־התיך »Auf allen deinen Lebenswegen merke auf Gott und er wird *) Abot 4, 1. 5) Leviticus 11, 44. 6) Deuteronomium 28, 0.