Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [8.] für das Schlujahr 1884-85 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
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BAS BÜCH VON 1)EN LAUTEN. ABULWALID ALS TEXTKRITIKEN. 59 wie des agadischen Midrasch von den massoretisch festgestellten Eigenheiten des heiligen Textes ansgiengen. Nur noch kurz sei das Verhältnis Abulwalid’s zuin massoretischen Texte berührt. Aus dem Bisherigen ist deutlich genug ersichtlich, dass ihm derselbe als der treu und pünktlich überlieferte Text der heiligen Schriften galt, wie er aus den Händen ihrer Verfasser hervorgegangen ist. Eine Kritik des biblischen Textes, um die ursprüngliche Gestalt desselben zu erlangen, lag ihm principiell fern. Man darf also auch nicht, wie das G r ä t z thut, 82) schlechtweg von seinen »kühnen Emendationen vieler Stellen« sprechen. Wenn er weitgehende Buchstabenverwechslungen und Transpositionen annimmt, so will er damit nicht den ursprünglichen Text herstellen, sondern eine von ihm für normal angesehene Eigentümlichkeit des Hebräischen constatiren. Und wenn er in der Interpretation vieler biblischer Stellen ein Wort als an Stelle eines andern gesetzt *erklärt, so meint er nicht, dass die betreffende Stelle corrumpirt oder geändert auf uns gekommen sei, sondern er schreibt solche Wort- Vertauschung, als stylistische Eigentümlichkeit oder als Versehen, dem biblischen Schriftsteller selbst zu. Allerdings stimmt Abulwalid’s Verfahren mit dem der biblischen Textkritik sowohl in seinem Ausganspunkte, den textuellen Schwierigkeiten der h. Schrift, als in seinem Resultat, der Annahme von Aenderungen, überein; aber er dp,וו kt nicht daran, die Integrität des Textes anzutasten, sondern sucht seine Schwierigkeiten hermeneutisch zu beseitigen. Dieses Festhalten am massoretischen Texte, 83) sogar an dessen Absonderlichkeiten, hat auch die grammatischen Aufstellungen Abulwalid’s beeinflusst, indem er alle von der Massora fixirten Wortformen entweder in den Rahmen der sprachlichen Normen einzufügen suchte oder als sprachliche Anomalien erörterte. 84) Zeitgenosse Abulwalid’s, als Beispiele der grammatisclien Bibelerklärung* in einer Beihe mit den »Bücbern Ibn Ganäh’s« die der »Massoreten« — כתב אצהאב אל מסור ת — nennt, s. oben S. 47. 82) Kritischer Commentar zu den Psalmen I, 120, Anm. 2. Aehnlich N. B r ü 11, Jahrbücher VII, 40. Präeiser äusserte sich Grätz, Gr. d. J. VI, 29. s3) Abraham IbnEsra gieng in diesem Glauben an den massoretischen Text noch weiter und bekämpft ihm zu Liebe nicht nur mit den bekannten Ausfällen Abulwalld, sondern die Massora selbst; s. mein Abr. Ibn Esra’s Einleitung zu seinem Pentateuchcommentar, S. 29—33, 84. s4) Auf viele Hunderte beläuft sich die Zahl der biblischen Textvarianten, welche das Wörterbuch Abulwalid’s bietet. Indessen handelt es sich bei