Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [8.] für das Schlujahr 1884-85 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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SELBSTBEWUSSTSEIN. ERFORSCHUNG DER H. SCHRIFT ALS BERUF. 33 Ein anderes Mal, bei Gelegenheit einer neuen Erklärung der sieben SaulenderWeisheit,Proy. 9,1,sagt er: »Ichhabe nicht gehört, dass irgend ein Hebräer dies gesagt oder bemerkt hätte, sowie ich auch nicht hörte, dass Jemand schon irgend etwas von all Dem gesagt hätte, was ich in diesem oder anderen meiner Bücher sonst des Merkwürdigen vorbrachte undwofür ich Neid und Anfeindung zu erdulden habe, so dass ich ob des Einen heftig bekämpft werde, Anderes einem nicht existirenden oder unbekannten Autor zugeschrieben wird, weil man mir neidet, was Gott mir an neuer Erkenntniss gewährt hat.« 162) Das Bewusstsein von dem Werthe dessen, was ihm durch rastloses Forschen und Nachdenken zu finden gegönnt war, und der gerechte Unwille über die kleinlichen und hämischen Herabsetzungen und Ungerechtigkeiten, die er zu erdulden hatte, bewirkten, dass er hie und da mit Stolz auf seine Leistung hinweist und damit stillschweigend seine Erhabenheit über die Angriffe der Terkleinerer documentirt. Dabei darf man solchen Aeusserungen auch die wohlbegründete Freude des Mannes der Wissenschaft anhören, nicht umsonst sich bemüht, nicht erfolglos geforscht zu haben. Keine bedeutsamen Momente aus den äussern Geschicken, aber wichtige Zeugnisse von dem inneren Leben Abulwalid’s bieten die hier angeführten Aeusserungen. Wir können ihn uns lebendig vergegenwärtigen, den ganz seinen Studien lebenden Gelehrten, der in der Erforschung der heiligen Schrift seinen Lebensberuf findet und als unumgängliches Mittel zu derselben die tiefe Erkenntniss der heiligen Sprache als seine höchste, fast ausschliessliche Aufgabe betrachtet. Er ist von der Heiligkeit dieser Aufgabe durchdrungen 163) und sucht für sie mit Wort und Schrift die Mitlebenden zu begeistern. Missgunst und Feindseligkeit, Beschränktheit und Zelotismus, denen er allenthalben begegnet, können ihn nicht beirren; er arbeitet mit dem unentwegten Ernste, dem unermüdlichen Fleisse, der unverlöschlichen Begeisterung eines Mannes, den die Heiligkeit und die Würde seiner Aufgabe durchdringt und der seine ganze 162) R. 185,1—5, wo Z. 2 für שמעת zu lesen ist שמעתי. Danach, ist Marg ul i e s, Saadja Alfajümi’s arabische Psalmübersetzung•,I, 32, Anm. 1 zu berichtigen. Nicht die Regel von den runden Zahlen beansprucht Abulwalid als sein geistiges Eigenthum, sonderen die mit Umgehung dieser Regel gegebene Erklärung der Siebenzahl in Prov. 9,1. S. noch oben S. 8, Anm. 48. 163) S. besonders noch die Einleitung zum YVb. 3,11—16. BACHER, ABULWALID. 3