Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [8.] für das Schlujahr 1884-85 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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32 LEBEN UND WERKE ABÜLWALId’ö. sich zum Lebensberufe die Wissenschaft der heiligen Sprache wählt und die Ergebnisse seines Forschens und Nachdenkens in seinem Hauptwerke niederlegt, hat er vor Allem die Erkenntniss der heiligen Schrift und des in ihr niedergelegten göttlichen Willens im Auge. »Da die Offenbarungsschriften nur vermittelst der Sprach- Wissenschaft verstanden werden können, ist die Bemühung um ihre Erkenntniss und das Streben, sie nach allen Bichtungen zu begreifen, zu vervollkommnen und zu vertiefen, eine um so dringendere Pflicht, je erhabener das damit erstrebte Ziel ist und je mehr in unserer Seele feststeht, von unserer Vernunft für wahr erkannt ist die Grösse und die Herrlichkeit dessen, der jene Schriften offenhart hat.« 159) Einem Manne von dem Ernste und der Wahrheitsliebe Abulwalid’s dürfen wir es auf’s Wort glauben, dass ihn bei seinem Streben nach Erkenntnissund bei der Abfassung seines Werkes nicht Eitelkeit und Buhmsucht leitete. Es ist ihm darum auch nicht als eitle Selbstgefälligkeit anzurechnen, wenn er manchmal bei einer ihm als besonders gelungen erscheinenden Erklärung oder Bemerkung seine eigene Urheberschaft nachdrücklich betont. 160) Besonders einmal thut er das mit einem merkwürdigen Hinweis auf sein eigenes entbehrungsvolles Eorscherleben im Gegensätze zu der Weltlust Anderer: »Durch diese Erklärung bin ich über die Geschicke erhaben, denn sie gehört zu der Summe dessen, was ich an ungewöhnlichen Gedanken selbständig erzeugt und an denkwürdigen Meinungen hervorgebracht habe, was Keiner ausser mir gefunden und kein Anderer als ich bemerkt hat. Ich that dies durch die Gnade Gottes über mir und seine mir erwiesene Güte, nebst der grossen Ausdauer und dem Eifer im Forschen und Studiren bei Tag und Nacht, so dass ich in Oel doppelt so viel ausgegeben habe, als ein Anderer in Wein.« 161) 159) E. JV, 13—18.! 160 S. Wb. 585,9—11 wo er, Neliemia’s Worte: כיד אלהי הטובה עלי anwendend, Gottes Gnade zuschreibt, was ihm an neuen Erklärungen gelungen; E. 41, 23—25; ib. 185, 8—20; Wb. 288, 1; 417, 8. 1e1) ״Wb. 93, 21—27 (bei Gelegenheit der Erklärung von תבל, Lev. 22,12). Nach Op. LXXV, n. 2 bezöge sich der Seitenblick auf Samuel Hannägid, den reichen Kämmerer des Königs von Granada. Abulw. spielt auf die Anekdote an, die auch Ihn Abi Oseibia erzählt (I, 52 oben): Ein Thor fragte Plato, wieso er soviel zu studiren vermochte. »Ich habe — war die Antwort —soviel an Oel verbraucht, als du an Wein.« S. auch I m m a n u e l\s Diwan, I. Makame.