Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [8.] für das Schlujahr 1884-85 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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IV dass er in seinem Fache, wie Wenige, der Lehrer der nach ihm folgenden Jahrhunderte, auch das unsrige nicht ausgenommen, wurde, so ist der Nachweis dessen, \vas er selbst früheren Arbeiten zu verdanken hat, um so interessanter und von unverkennbarer Bedeutung für die Geschichte der Schrifterklärung. Da äussere Umstände eine weitere räumliche Ausdehnung der vorliegenden Abhand־ lung verboten, beschränkt sich dieser zweite Theil auf die chronologische Vorfülirung aller von Abulwal d angeführten Autoritäten und die Beleuchtung seines Verhältnisses zu denselben. Hiebei war schon die einfache Registrirung der citirten Quellen von Werth, da die Editionen der Schriften Abulwak'd’s der Register entbehren und in dem Wörterbuche auch der Nachweis der citirten Stellen fehlt. Von selbst gestaltete sich dieser zweite Theil hauptsächlich zu einer Darlegung des Verhältnisses Abulwalid’s zur bibelexegetischen Tradition, diese im weitesten Sinne genommen, in welchem Massora und Targum einerseits, die Gaonim andererseits ebenso zu ihr zu rechnen sind, wie die Litteraturdenkmäler der eigentlichen Tradition in Halacha und Agada. Der hervorragendste Vertreter selbständiger Bibelerklärung erscheint in dieser Darlegung als classischer Zeuge für die geschichtliche Wichtigkeit der Tradition, als Trägerindes sprachlichen Verständnisses der heiligen Schrift; und andererseits bemerkt man mit Staunen, wie das Verhältniss zwischen sinngemässer Schrifterklärung und der mit religiöser Autorität auftretenden talmudisehen Exegese noch so wenig geklärt ist, dass ein so klarer und nüchterner Geist wie Abulwal’d zu dem Hilfsmittel der Annahme eines mehrfachen Schriftsinnes greifen muss. Es war eben jener modus vivendi, Wenn man so sagen darf, zwischen einfacher Schrifterklärung und Traditionsexegese, welcher am deutlichsten bei Abraham Ibn Esra zur Geltung gelangt, noch nicht gefunden. Eine nähere Erörterung auch dieses Punktes gehört in eine eingehende Würdigung Abulwalid’s als Schrifterklärer, zu welcher ich mit der Darstellung seiner. Quellen jedenfalls eine unumgängliche Vorarbeit geboten zu haben glaube. Zum Schluss bemerke ich noch, dass ich bei der Citaten aus Abulwalid’s Schriften folgende Abkürzungen angewendet habe. R. bedeutet: Sefer Harikma, herausg. von B. Goldberg, Frankfurt am Main 1856. Wb. (Wörterbuch) bed. das Kitab al-usül, The Book of hebrew roots, herausg. von Ad. Neubauer, Oxford, 1875.0p. bed.: Opuscules et Traites, herausg. von Jos. und Hartw. Derenbourg. Paris, 1880.