Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [8.] für das Schlujahr 1884-85 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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VORWORT. Die gegenwärtige Doppelabhandlung beschreibt in ihrem ersten Theile das Leben und die wissenschaftliche Thätigkeit eines Mannes, der sein ganzes Leben der Wissenschaft weihte, und zwar — wenn wir von. seiner Thätigkeit als Arzt und ärztlicher Schriftsteller absehen — ausschliesslich den besonders in jener Zeit nur eine Wissenschaft ausmachenden Disciplinen der Bibelexegese und der hebräischen Sprachforschung. Keines der Gebiete geistiger Thätigkeit, auf denen die jüdische Litteratur seines Zeitalters und seines Landes zu so hoher Blüthe gelangte, hat ihn dauernd gefesselt. Poesie, Philosophie, Traditionswissenschaft bildeten zwar auch den Gegenstand seines Bemühens, aber die Energie seines Charakters, die Lust und Fähigkeit, selbständig zu forschen und zu schaffen, widmete er einzig und allein der Erklärung der heiligen Schrift und der Erforschung der heiligen Sprache. In dieser Ausschliesslichkeit, welche zwar zum Theil auch auf gewissen Schranken seiner Begabung beruhte, vor Allem aber aus der ernsten Erfassung einer wissenschaftlichen und — in Abulwalid?s eigenem Sinne — auch religiösen Lebensaufgabe sich ergab, liegt die sittliche Bedeutung des Lebens Abulwal 'd’s, liegt aber auch fast der einzige Reiz seiner Lebensbeschreibung, für welche eigentlich biographische Daten nur in äusserst geringem Maasse vorhanden sind. Trotz dieser Dürftigkeit des Materials hielt ich es nicht für überflüssig, auch nach den Arbeiten Mun k’s und Derenbour g's, die wenigen Umrisse, aus denen sich die Darstellung von Abulwal’d's Leben und schriftstellerischer Thätigkeit zusammensetzt, noch einmal in knapper Weise zu vereinigen und mit einzelnen neuen Strichen und Andeutungen zu bereichern. — In gewissem Sinne bildet der zweite Theil vorliegender Abhandlung, von den Quellen der Schrifterklärung Abulwal'd’s, eine Ergänzung des ersten Theiles, indem er in die Werkstätte seines Schaffens einführen und zeigen soll, welche Hilfsmittel ihm bei seiner Arbeit zu Gebote standen, auf welche Art und in welchem Maasse er sie verwerthete. Doch liegt der Schwerpunkt dieses zweiten Theiles nicht in seiner persönlichen Seite, nach der er als Anhang zur Biographie Abulwal d׳s gelten kann, sondern vielmehr in seiner Bestimmung, als Beitrag zur Geschichte der Bibelexegese zu dienen. Wenn von Abulwal d mit Recht gesagt werden kann,