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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1880-01-01 · [3.] für das Schlujahr 1879-1880 (1880) · p. Seite 6

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[3.] für das Schlujahr 1879-1880 (1880)
Date
1880-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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6 wegen. Ja, selbst die pseudepigraplien Schriften des Stagiriten seiher erheischen für die tiefere Erkenntniss der mittelalterlichen Philosophie dringender eine Bearbeitung als seine echten. Wie erdrückend man sich auch immer die Wucht des aristotelischen Einflusses unter den Arabern vorstellen möge, er hat doch nicht dazu hin gereicht, die Verbreitung anderer griechischer Systeme, das Emporkommen abweichender Anschauungen für die Dauer zu verhindern. Die Alleinherrschaft des Aristoteles bei den Arabern ist thats'achlich so wenig zu behaupten, dass man vielmehr richtiger sagen kann, der reine Aristotelismus habe niemals unter ihnen bestanden. Besonders haben neuplatonische und neupythagoreische Elemente in einzelnen philosophischen Schulen der Araber eine herrschende Bedeutung erlangt und selbst die Weltanschauung ihrer hervorragendsten Denker in wesentlichen Punkten beinflusst. Die Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie muss an der Erforschung dieser versteckteren, scheinbar geringfügigen Vorgänge in der Philosophie der Araber den lebhaftesten Antheil nehmen, da von ihnen aus mit grosser Wahrscheinlichkeit der Anstoss für Ibn Gabirol, den jüdischen Plato, und eine Reihe verwandter, an ihn sich lehnender Denker erfolgt ist. Als wäre das zeitliche Verhältniss zwischen Lehrer und Schüler maassgebend gewesen, geht in der Beherrschung des jüdischen Denkens Plato dem Aristoteles voran. Wie schon in der Zeit.des jüdischen Gnosticismus sein Einfluss unverkennbar ist und in der Kosmologie der älteren Agada1) manches Bestandstück platonischen Ursprung nicht verläugnen kann, so macht sich auch in der spanisch-arabischen Epoche vor dem entscheidenden Auftreten des starren Aristotelikers Maimüni 2) das Übergewicht Plato’s und der ihm verwandten Systeme geltend* Und selbst als Maimüni’s mächtiger Einfluss die platonisirende Strömung aus dem Gebiete der strengen jüdischen Religionsphilosophie abgeleitet und gezwungen hatte, in das Strombett der Kab- י) Vgl. Graetz, Gnosticismus und Judenthum und Joel, Bliche in die Iieligio)isgeschiehte zu Anfang des zweiten christlichen Jahrhunderts p. 114 ff. 3) Eine direkte Äusserung Maimuni’s über die Schriften Plato’s liegt uns in dem literarhistorisch so merkwürdigen Schlüsse seines Briefes an Samuel Ibn Tibbon vor (קובץ תשובות הרמ״בם ed. Lichtenberg II, 28 col. 2). Die ents!3rechenden Worte aus der zweiten Übersetzung dieses Briefes in cod. 92 Ul. f. 4511 der Breslauer Seminarbibliothek verdanke ich einer Mittheilung meines verehrten Lehrers und Freundes Dr. David Rosin :

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