Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [3.] für das Schlujahr 1879-1880 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
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4 nach, seinem Tode wie einst sein Schüler Alexander den Orient sich unterwarf nnd von hier aus zum Beherrscher des mittelalterlichen Denkens emporstieg, das ist sattsam bekannt und oft wiederholt worden. Die Kulturgeschichte kann sich allenfalls bei diesen Allgemeinheiten begnügen, obzwar auch sie noch von der Erforschung des Einzelnen ein ausgeführtes, farbenreicheres Bild erwartet, allein die Geschichte der Philosophie bedarf eindringenderer Untersuchungen und muss den Zeitraum, für den diese fehlen oder nur spärlich vorhanden sind, als unmappirtes Gebiet betrachten. Die Wissenschaft hat bisher höchstens eine bibliographische Beschreibung von dem geliefert, was der Orient an geistigen Leistungen der Griechen gekannt hat; die Werke selber in der Gestalt und Übersetzung, in der sie im Umlauf waren, die Quellen, aus denen die Lehren der griechischen Philosophie zu den Arabern gedrungen, sind noch wenig untersucht, geschweige zur Genüge erforscht worden. Ja, wir haben kaum erst damit angefangen, den Aristoteles kennen zu lernen, den der Orient gelesen hat. Wenn es uns so an der eigentlichen Grundlage für die Schätzung der mittelalterlichen, vornehmlich der arabischen Gedankenarbeit fehlt, weil ohne Einsicht in die Elemente der Verbindungen eine Beurtheilung von deren Beschaffenheit und Bedeutung wissenschaftlich nicht möglich ist, so ist es um unsere Kenntniss dieser arabischen Hervorbringungen selber, wenn möglich, noch schlechter bestellt. Auch hier ist das zu erforschende Gebiet vorerst nur, ich möchte sagen, bibliographisch abgesteckt und Umrissen. Bezeichnend für unsere Bekanntschaft mit der arabischen Philosophie ist das Schicksal des Mannes, der an ihrem Eingang steht; wir wissen von Alkendi kaum mehr als die Namen seiner Schriften. Die Hauptwerke der islamitischen Philosophen — Gazzäli muss mehr als Theologe gelten — sind noch unzugänglich; von den grossen Meistern Alfaräbi, Ibn Sina und Averroes kennen wir nur wenige, und zumeist gerade kleinere Schriften aus den Originalen; Arbeiten von nicht geringerer Bedeutung, aber von weniger klangvollem Namen müssen vollends als verschollen betrachtet werden. Es gibt denn auch im wissenschaftlichen Sinne noch keine Geschichte der arabischen Philosophie. Was bisher als solche geboten wurde, tritt entweder, wie die Arbeiten der neueren Zeit, nur als Versuch und als bibliographischer Abriss auf, oder