Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [3.] für das Schlujahr 1879-1880 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die Geschichte der Philosophie hat in der Art ihrer Forschung Etwas mit der Chemie gemein. Hier wie dort gilt es ein Auflösen und Scheiden, die Erscheinungen treten als Verbin düngen auf, die in einfachere Bestandtheile zerlegt werden sollen; auch in der Welt der Gedanken handelt es sich um die Aufsuchung und Aufstellung einer Elemententafel, nur dass hier als nicht weiter, zersetzbare Grundstoffe zumeist Gruppen in der Gestalt von Büchern und Gedankenkreisen uns begegnen. Und so wie unsere Ivenntniss von der innern Beschaffenheit eines Stoffes von der Einsicht in die Art seiner Zusammensetzung abhängt, so beruht die wissenschaftliche Behandlung und Darstellung eines philosophischen Werkes oder Systems auf der Erforschung der Elemente, die sein Zustandekommen bewerkstelligt haben; in diesem Sinne soll der Geschichtsschreiber der Philosophie Etwas vom Scheidekünstler haben. Ganz besonders ist es die Geschichte der mittelalterlichen Philosophie, in der sich die Unterlassung dieses chemischen Verfahrens durch eine völlig ungenügende Kenntniss der Erscheinungen auf das Empfindlichste gerächt hat; hier sieht es noch vielfach aus wie in der Chemie, als noch die Vierzahl der obendrein noch uneigentlichen Elemente herrschte. Von einer wissenschaftlichen Zergliederung eines Systems, von kritischer Darstellung eines Philosophems, einer Richtung kann hier in vielen Fällen noch gar nicht die Rede sein, weil die Bestandtheile noch nicht in genügender Klarheit geschieden und bestimmt sind, aus denen hier die Verbindungen sich auferbauen. Dass die Weisheit der Griechen beim östlichen Südende Europa’s hinausgezogen war, um nach einem siegreichen Vorstosse in Asien und nach Um Wanderung des Mittelmeerbeckens beim westlichen Ende in Spanien wieder einzudringen, dass die philosophischen Erzeugnisse des Alterthums durch den Zwischenhandel von Syrern, Arabern und Juden im Mittelalter dem Abendlande vermittelt wurden, dass Aristoteles ein Jahrtausend I*