Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [2.] für das Schlujahr 1878-1879 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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6 „Nicht des Menschen, sondern Gottes Sache ist das Rechtsprechen,“ 4) „Gott richtet in der Mitte der Richter“, 5 6) das Recht soll im Namen Gottes gesprochen werden und „der Richter ist vor Gott mit seinem Leben verantwortlich für jeden ungerechten Urtheilspruch,“ G) weshalb er in seinem Verfahren so wie in seinem Rechtsprechen die strengste Unparteilichkeit bewahren und selbst den Schein der Begünstigung einer Partei vermeiden muss. 7) Diese Wahrheit von der Göttlichkeit des Rechts wurzelt im Judenthume so tief, dass nach einem Ausspruche des Talmuds „ein Richter, der, begeistert für Wahrheit und Recht, gerecht seines Amtes waltet, sich gleichsam das Verdienst der Theilnahme am Schöpfungswerke erwirbt“; 8) „denn auf Wahrheit, Recht und Frieden beruhet die Welt“ 9 10) ohne Recht aber ist die Wahrheit und der Friede, somit auch der Bestand der Welt nicht möglich. Dieses Verschmelzen des Rechts mit der Religion bewirkte im Judenthume einerseits einen unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn, andererseits erweckte es ein allgemeines Bedürfniss, die Bestimmungen und Gesetze des Rechts kennen zu lernen. Die Satzungen: „Das Buch der Lehre soll nicht weichen von deinem Munde, du sollst darin forschen bei Tag und bei Nacht,“ lu) „Die Wahrheiten der Lehre sollst du einprägen deinem Kinde,“ X1) wurden auch auf die Lehren des Rechts bezogen und wie das fleissige Forschen in der Lehre überhaupt, so wurde 4) Kronik II. 19, 6. 5) Psal. 82, 1. 6) Sankedrin 7a. 7) Ketkubotk 105b. Sankedrin 7, b. Maiinonides Sankedrin 21 u. 23. Ckoscken Misclipat 17. 8) Sabbatk 10a. °) Abotk I, 18. 10) Josua 1, 8. IJ) Deut. 6, 7.