Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [1.] für das Schlujahr 1877-1878 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 124)
- Language
- German
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108 ser über einen Gelehrten, der eine gewisse *Tradition nicht kannte, geringschätzig äusserte, dass ein bedeutender Gelehrte es zu sein nicht aufhöre, wenn er zufällig die eine oder andere Überlieferung nicht gehört hat. 3) Ein anderes Mal hatte Josef, zu einer halachischen Entscheidung, welche sich auf eine nur während Israel’s staatlichen Bestandes gütige Satzung bezog, über diese unnötige Bestimmung verwundert ausgerufen: ״Eine Norm für die Messiaszeit!״ Dagegen bemerkte Abaji, dass von diesem Standpunkte aus den ganzen Mischnatraktat von den Opfern zu lernen überflüssig sei; vielmehr ist das Studium an sich, sowol für das Erlernen der Traditionen, als für die daraus zu ziehenden Entscheidungen, verdienstlich. 4) — Aber das Hauptgewicht legte Abaji gleich Josef auf die umfassende Kenntniss der Überlieferung, und während sein College Raba sich über die im Verhältnisse zur Vorzeit herabgekommene Fähigkeit der dialektischen Erörterung beklagte, klagte Abaji über die geschwächte Kraft zum Aufnehmen der überkommenen Traditionen. 5) Nichts freute ihn so sehr, als wenn einer seiner Schüler das Studium eines Mischnatraktates beendet hatte, und er rechnete es sich als Verdienst an, dass er ein solches Schulereigniss stets mit einem den Jüngern gegebenen Festmale feierte. 6) Seine Vorträge wurden auch in Folge der geringem Anwendung der dialektischen Methode durch die Raba’s in den Schatten gestellt. Ein Gelehrter jener Zeit, Adda b. Abba, sagte einmal zu seinen Hörern: ״Während ihr an den Knochen naget, die euch im Lehrhause Abaji’s geboten werden, gehet doch hin und geniesset Fleisch im Lehrhause Raba’s!7 ״) Der 3) Gittin 6b. 4) Zebacli. 44b. Ebenso Synh. 51b. 5) Erubin 53a. 6) Sabb. 118b. תיתי לי דכי חזינא צורבא מרבנן דשלים מסבתיה עבידנא יומא מבא לרבנן• Es ist beachtenswerth, dass von Josef erzählt wird (Moed Kat. 28a), er habe, als er das sechzigste Jahr überschritt, ein solches Gelehrtenfest veranstaltet. Vgl. noch sein Geständniss Kidd. 31a. ף Baba bathra 22a ואכלו [En Jak. אדמנרמיתו גרמי בי אביי תו [זילו בשרא יממינא בי רבא. Für מגרמיתו hat Arueh s. v. מגרסיתו: גרם, welche Leseart Levy, Wörtb. I, 862, adoptirt. Jedoch ist die gewohnliche Leseart die richtige, wie der biblische Sprachgebrauch