Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [1.] für das Schlujahr 1877-1878 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 118)
- Language
- German
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102 scharfer Dialektik den kalachiscken Lehrstoff zu behandeln und die einzelnen Lehrsätze ans dem gewöhnlichen Zusammenhänge herauszureissen und zu neuen Schlussfolgerungen zu benützen wusste. Josef hingegen wurde Sinai genannt, weil er eine umfassende Kenntniss der gesammten überlieferten Lehre, die am Berge der Offenbarung ihren Ursprung hat, besass, und mit seinem Wissen gleichsam den Inbegriff der ganzen Tradition darstellte. * * 3) Josef’s Bestreben war es, möglichst viel Lehrsätze kennen zu lernen; und während Rabba die Ansicht aussprach, dass zur Aneignung des Wissensstoffes ein Lehrer genüge und nur für die dialektische Durchdringung desselben mehrere zu hören erforderlich sei, 4) hatte Josef den Ruf, dass er ohne die Echtheit der Überlieferung zu prüfen, ״von aller Welt lerne.“ 5 6) Auch wusste er es, dass seine Kraft in der Fülle seines Wissens bestehe, und er wandte auf sich mit Anspielung auf den Segen seines Namensahnen Josef (Deuteron 33,17), die Worte des Spruches an: ״Viel Ertrag bildet die Kraft des Stieres“ (Prov. 14,4). G) Dieser Gegensatz zwischen den beiden Amoräern von Pumbeditha macht sich auch in ihrem Verhältniss zur Agada geltend. Während Rabba sich mit Schriffcauslegung fast gar nicht beschäftigte, umfasst die Gelehrsamkeit Josef’s auch diese Seite der damaligen Schulwissenschaft. Es ist bekannt, dass er das Targum zu den Propheten oft citirt. 7) Aber nicht als Verfasser dieser Paraphrase ist er anzusehen, sondern dieselbe, aus Palästina stammend und von der Sage einem berühmten plegadischen Felsen (in der Argonautensage) und von den Felsen entwurzelnden Giganten. 3) Beachtenswert!! ist, dass Josef selbst eine ihm zusagende Schriftdeutung mit den Worten zu loben pflegte: דרשיה להאי קרא כי סיני Sota 21a und Kidd. 20b. — Nach einer Überlieferung Jochanan’s (Horaj. 14a) war es schon zwischen Simon b. Gamliel (dem Yater Jehuda’s I) und den andern Gelehrten eine Streitfrage, ob ״Sinaj“ oder ״Bergentwurzler“ mehr sei. 4) . . . גמרא מרב אחד עדיף . . . Aboda zara 19ab. 6) יוסף בר חייא מכוליה עדמא נמיר. So sagte Zeira, Chuiiin 18b«. 6) Synh. 42a. r<) S. Zunz, Gottesdienstliche Vorträge, S. 63, Frankel, zu dem Targ. der Propheten, S. 10,