Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [1.] für das Schlujahr 1877-1878 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite XI (sequence 11)
- Language
- German
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— XI — Verständnisses sind während der seitdem verflossenen 45 Jahre in grössern und kleinern Arbeiten zahlreiche Beiträge geliefert worden, welche die sprachliche und sachliche Erkenntniss des Inhaltes der Agada, die Auffassung ihres Geistes und ihrer Methode und die literaturgeschichtliche Kenntniss des agadischen Schriftthunis vielfach gefördert haben. Nur nach einer Seite hin ist die Forschung seit den „gottesdienstlichen Vorträgen44 nicht weiter gekommen. Zu einer Geschichte der Agada, welche die agadische Literatur nicht nur nach ihrem Gesammtinhalte, nach ihren Hauptwerken und Hauptepochen betrachtet, sondern auch den Antheil darstellt, welchen die eigentlichen Schöpfer dieser Literatur, die geistigen Träger des talmudischen Zeitalters, die Tannaiten und Amoräer an der Ausbildung und Bereicherung der Agada hatten, zu einer Geschichte der Agada, welche vor Allem auch eine Geschichte der Agadisten sein soll, fehlen auch bis heute noch die wichtigsten Vorarbeiten. Freilich gilt dies zum Theile auch von dem Schwestergebiete der Halacha; den Antheil der einzelnen Vertreter derselben an ihrer Erhaltung, Erweiterung und Fortentwickelung haben bisher nur für die Zeit der Tannaiten die Werke von Frankel (Darke Hammischna) und Weisz (Dor dor wedorschaw) mit mehr oder weniger Ausführlichkeit im Zusammenhange dargestellt. Die Vernachlässigung einer so wichtigen Aufgabe der jüdischen Wissenschaft erklärt sich leicht durch die Art, in welcher der Forschung das Material für eine Geschichte der Halacha und Agada vorliegt. Die talmudisch-midraschische Literatur ist, wie in Bezug auf ihren Inhalt, auch in Bezug auf ihre Entstehung und ihre durch die letztere bedingte äussere Form, eine ganz eigenartige und ohne jede wirkliche Analogie in der Weltliteratur. Als lebendiges Wort ist sie entstanden und gewachsen, als lebendiges Wort lebte sie lange in der Tradition der einander ablösenden Geschlechter, bis sie allmälig in den verschiedenen Sammelwerken durch die Schrift festgehalten wurde.