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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 173

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Individuum und Ethos
Date
1914-06-30
Page
173 (sequence 6)
Language
German
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Di, R. Seligmann, Individuum und Ethos 173 <^^M^^ ii ih»*—^»^—m i ■ * i i mw*^» ■ ■ ii ■ ■■ < pi..........wfci^w^i'ii'Mi—^^^^» ■ m n^^^fc^^^^^^^M^^M^^^^^^»^^^^^^^ > ■ ■ bewegt haben <mag* Und dieses Denken scheint uns von dem lebhaften Bewußtsein der dualistischen Unterlage der mensch* liehen Natur ganz durchdrungen zu sein. Die große Scheidelinie zwischen Wirklichem und Möglichem, Geschehendem und Wollendem, Materiellem und Geistigem verliert er nie aus den Augen. Für Bergson ist die menschliche Natur ein Produkt der Anpassung zwischen zwei voneinander grundverschiedenen Mächten ~ dem Prinzipe des Geistigen einerseits und dem des Materiellen anderseits. Und .darum handelt es sich eigentlich für uns in diesem Zusammenhange. Nicht um die sachliche Darstellung der Bergsonscheu Philosophie ist uns hier zu tun, sondern bloß um die-Konstatierung der Tatsache, daß hier zum erstenmal in der ailermodernsten Philosophie auf eine wahrhaft großartige Weise der ernstliche Versuch durchgeführt wird, das Persönliche vom Unpersönlichen zu trennen* ■ Mar könnte erwarten, daß eine derartige Auffassung vom Wesen der menschlichen Natur, ein derartiges Hervorheben des Momentes des Bewußten und folglich des Persönlichen in seinem Gegensatze zum Unbewußten und folglich zum A~Persönlichenf eine starke Betonung des in dem ersteren verankerten ethischen Faktors mit sich führen würde. Man könnte erwarten, daß die ethische Forderung, die von allen persönlichen Reaktionen auf die Wirkungen der äußeren, indifferenten Natur die persönlichste ist, und die in der modernen, Wissenschaft und Philosophie mit ihren markanten Tendenzen, das Bewußte und Innere auf das Niveau des Unbewußten und Aeußeren herabzudrücken, zuschänden wird, daß diese Forderung hier eine volle Würdigung zu können glaubt, wer also wähnt, das ethische Imperativ liege* und kräftige Unterstreichung erfährt. Dem ist aber nicht so, und wer solches erwartet, wird eine arge Enttäuschung erleben müssen- Dies kommt daher, daß Bergson in seinen Untersuchunget» von einem rein naturalistischen Standpunkte ausgeht, daß er das Persönliche im Ganzen der Natur aufgehen läßt, wobei ihm dieses Persönliche flugs unter den Händen alle Züge des A-Persönlichen erhält, und daß er mit der einen Hand sofort zerstört, was er mit der anderen aufzubauen im Begriffe ist Ethos und Persönlichkeit bedingen sich gegenseitig. Das Ethos ist seinem inneren Wesen nach nichts anderes, als der schärfste Ausdruck der Eigenmächtigkeit der menschlichen Person in ihrem Gegensatze zu dem Laufe des indifferenten natürlichen Geschehens/ Wer die ethische Forderung auf einem rein naturwissenschaftlichen Wege aus natürlichen Tatsachen deduzieren zu können glaubt, wer also wähnt, der ethische Imperativ liege als Faktum ^n einer Ebene mit allen anderen Naturtatsachen» der gibt sich wahrlich keine klare Rechenschaft darüber ab.

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