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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 166

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Zur Universitätsfrage
Date
1914-06-30
Page
166 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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166 Sch. Niger, 7fur Universitätsfrage außerhalb der zionistischen Partei. Das verführte die Zionisten zu dem Glauben, gerade diese Punkte trügen einen gesamtjüdischen und nicht einen Parteicharakter. Sie vergaßen dabei, daß auch diese Dinge nur dann einen gesamtjüdischen Wert für sich beanspruchen können, wenn sie selbständig und frei sind vom zionistischen Parteistempel. Sobald aber die Zionisten sie für ihre weiß-blaue Fahne in Anspruch nehmen und sie für ihre Partei ausnutzen, für Propaganda und zum Programmaufputz, werden sie eben zu Parteiangelegenheiten und verlieren ihren allgemein-nationalen Charakter. Und aus diesem Grunde ist auch der Plan einer jüdischen (einer hebräischen?) Universität in Jerusalem kein gesamtjüdischer, er ist lediglich eine Parteiangelegcnheit. Wohl kann eine jüdische Universität einen allgemein-nationalen Wert in sich tragen — d. h. einen Wert für die großen Massen, die die jüdische Nation repräsentieren, für ihre kulturelle Auflebung und den inneren und äußeren Befreiungskampf dort, wo der Kampf ausgefochten wird —, aber nur dann, wenn sie den Bedürfnissen des Volkes im Golüs entspricht, und das kann sie nur, wenn sie selbst sich im Golus befindet. Wird sie aber in Palästina sein, so wird sie den Stempel tragen einmal der noch immer sehr bescheidenen palästinensischen Wirklichkeit, dazu aber den der alles andere als bescheidenen palästinensischen Ideologie. Und es gehört doch viel naiver Glaube dazu, sich die Sache so vorzustellen, als „würden die Doktoren der Jerusalemer Hochschule, wenn sie sich im Golus zwischen russisch-, deutsch- oder englisch-jüdischer Intelligenz niederlassen, auf jene Schichten einen judaisicrenden Einfluß ausüben".*) Nicht nur zu den Volksmasseu wird den Jcrusalemer Doktoren der Zutritt fehlen, auch mit der jüdischen Intelligenz des Golus werden sie sich nur dann verbinden können, wenn sie selbst sich hier niederlassen;, Intelligenz des Golus werden. Außer diesem allen ist aber eine nationale Universität mehr als eine Doktorenbäckerei; früher als alles andere soll sie bestimmte allgemeine Kulturwerte schaffen und pflegen, und die „Doktoren" müssen dabei ihre ausführenden Organe sein. In einer palästinensischen Universität, die dazu noch eine starke Tendenz haben wird, hebräisch zu sein, werden all diese Kulturwerte, so allgemein-menschlich auch ihre Inhalte sein mögen, sich in palästinensischer Form äußern, und das wird es unmöglich machen, daß sie jemals in die Tiefen des jüdischen Lebens hineindringen und den Golus befruchten. Selbst die Zionisten aber erwarten von dieser Universität in der Hauptsache, soweit dieses Kulturwirken in Betracht kommt, eine Wirkung *) ibid: Nr. 2, S. 7.

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