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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 167

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Zur Universitätsfrage
Date
1914-06-30
Page
167 (sequence 8)
Language
German
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Seh.' Niger, Zur Universitätsfrage 107 auf den Golus, tun ja der jüdischen Bevölkerung in Palästina andere Dinge weit dringender not, ganz abgesehen davon, daß dort für die Diplomierten kein Platz sein wird. * Bieter, die jüdischen Zentren des Golus heute schon die Möglichkeit für eine jüdische Universität? Nicht das frage ich, ob eine jüdische Universität im Gplus nötig ist — das steht außer Zweifel. Nur, ob die inneren und äußeren Möglichkeiten für sie da sind. Das ist eine Frage, die zu ausführlicher Erörterung nötigt, Hier sei nur dies bemerkt, daß auch jene, die die Universität für Palästina haben wollen, sich die Verwirklichung gar nicht so unmittelbar bevorstehend denken. Denn die Schwierigkeiten sind in Palästina größer als überall. Allein infolge Wer Unkultiviertheit des Landes und des geringen Alters des 'neuen Jischew fehlen hier viele elementare Vorbedingungen, die für eine ernste wissenschaftliche Tätigkeit unentbehrlich sind. Ich erinnere nur an eine von ihnen, die die Bibliothek betrifft. Darum, meint Dr. Heinrich Löwe, müsse man zu allererst mit'deren Gründung beginnen. („Die Welt", Nr. 14.) Wie leicht dies aber ist, das braucht man den Zionisten nicht zu erzählen; haben sie doch an der Jerusalemer „Nationalbibliothek" genügend Erfahrungen sammeln können, über die ja auch nicht weniger „historische" Reden gehalten und nicht weniger begeisterte Aufsätze geschrieben wurden, als jetzt über die Universität. Trifft es nun zu, daß diese Angelegenheit sich nicht von heute auf morgen erledigen läßt und viel Anstrengungen, Opfer, Geduld und Zeit erfordert — dann darf sie nicht mit Augenblicksnöten «oder mit den Tageslosungen dieser oder jener Partei zusammengebunden werden. (Es sind in der Tat verschiedene! Gruppen, die den Gedanken einer jüdischen Universität für die eigenen Zwecke ausnutzen, nicht etwa wie ein konkretes Vorhaben, sondern nur als Agitationsmittel.) Eine historische Aufgabe (— und keine ist es mehr als die einer Universität für das jüdische Volk —) muß historisch vorbereitet werden. Langsam, Schritt für Schritt in hartnäckigem Kampf mit den Hindernissen im Innern und Aeußern müssen die Bedingungen geschaffen werden, unter denen die jüdische Universität, die soviel Kräfte und Opfer verschlingen wird, nicht mehr ein phantastisches, sondern dem jüdischen Volk in aller Wirklichkeit geistiges Zentrum sein wird. Nicht ein Mittel, eine künstlich geschaffene Kultur am Leben zu "halten, vielmehr ein Unternehmen, das die Bedürfnisse der Nation auf eine natürliche Weise befriedigt und ihrem geistigen Aufstieg zur lebendigen Kraft wird. (Aus dem Jiddischen der „Jüdischen Weif, Aprilheft 1914.)

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