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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 165

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Zur Universitätsfrage
Date
1914-06-30
Page
165 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Sch. Niger, Zur Universitätsflage 1G5 versitäten, die großen „J'schiwes", alle im Golus.. Jabne war nicht von langer Dauer. Hinzu kommt aber, daß eine moderne Universität ganz anderen Bedingungen untersteht als die alte J'schiwo, die ohne Schwierigkeit selbst im entlegensten Winkel, sogar in einer Höhle existieren konnte, wenn nur Schüler dort waren, ein kluger Rabbi und ein Schrank Bücher. Eine moderne Hochschule ist aber tausendfach von ihrer Umgebung abhängig — ohne sie bleibt ihre Arbeit unschöpferisch und steht außerhalb des Lebens. Selbst wenn sie der reinen Wissenschaft dient, kann sie die Anregungen ihrer Umwelt rhcht entbehren. Nicht anders würde es mit einer Hochschule in Palästina sein können — siewird die Impulse vom palästinensischen Leben erhalten und von der Diaspora abgerissen bleiben. Nun aber ist das jüdische Volk ein Volk der Diaspora. Und die Zionisten, die bisher jede prinzipielle Gegnerschaft zu den Unternehmungen ihrer Partei als nationalen Verrat verdächtigten — sie mögen sich endlich daran gewöhnen, auch ihren Gegnern das Recht und die Pflicht einzuräumen konsequent zu sein. Mögen sie aufhören, es nicht zu verstehen oder nicht verstehen zu wollen, daß das, was von ihrem Standpunkt aus die reichsten Perspektiven für die nationale Zukunft bietet, in den Augen jener, die von anderen Hoffnungen getrieben sind, ganz anders aussehen muß; aufhören, uns zu tyrannisieren. „Ihr habt keine Liebe zu unserem Land, zu unserer Sprache und kein Verständnis für unsere historischen Werte, ihr seid gegen die Heiligtümer der Nation usf.!" Wir sind nicht gegen die heiligen nationalen Güter — wir sind für das lebendige jüdische Volk! Nur dagegen sind wir, daß jene Güter engen Parteizwecken zulieb ausgenutzt werden., Wer gibt denn den Zionisten das Recht, ihre durchaus bourgeoisq Partei als die jüdische Nation auszuschreien? Und wer hat sie der jüdischen Nation und ihren Heiligtümern als Vormünder bestellt? Kamen denn nicht, noch gar nicht so lange, die orthodoxen Juden den Zionisten mit fast den gleichen Redensarten, die sie, die Zionisten, jetzt gegen uns vorbringen? Als ob sie nicht selbst Gegner manchen traditionellen heiligen Gutes wären — so des Glaubens an den Messias. Ob sie wohl denken, man dürfe ruhig eine durch die Tradition geheiligte tausendjährige Erwartung eines Volkes vernichten, und nur der oder jener Punkt ihres Programms, das doch kaum zwei Jahrzehnte alt ist, gehöre zum heiligen Gut der Nation, und wer ihn leugnet, verleugne das Volk und seine historische Sendung? Hier gibt es aber einen psychologischen Fingerzeig, der viel zum Verständnis dieser merkwürdigen Stellungnahme beiträgt Manche Punkte der zionistischen Ideologie haben Anhänger auch

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