Mannheim
Compact Memory

Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 164

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Zur Universitätsfrage
Date
1914-06-30
Page
164 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3119801-3119814-3119817-3121927--1622-3122013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

164 Sch» Niger, Zur UniversHätsfrage mühelos darbieten, und mit denen sie ihrer Arbeit den feiertäglichen Aufputz geben, als historische Taten zu betrachten. So mußte man schon ein nüchterner und prosaischer Mensch sein, um einzusehen, daß Ussischfcins „historische Rede" nicht die Eröffnung der neuen Hochschule feierte, sondern den Schluß des Kongresses, der ohne sie vielleicht gar nicht so feierlich ausgefallen wäre. Zionisten sind aber meistens keine trockenen Menschen — sie sind eine Gesellschaft von Träumern und Voraussagern, und so waren sie auch diesmal voll des göttlichen Geistes der jüdischen Historie, Denn sie stellen sich noch immer die Sache so vor, als sei es nicht ein Land mit großen wüsten Flächen, mit höchstens 100000 Juden — weniger als in einer der großen Gemeinden des Golus, diese wenigen zum größten Teil Chaliikajuden, und der Rest Lehrer und Kolonisten, die ihrerseits auch auf die verschiedensten Unterstützungen angewiesen sind, — nein, die Zionisten stellen es sich so vor, als würde die Universität in dem jüdischen Land gebaut, „im Land unserer Vergangenheit und Zukunft" (da ja das Wort „Gegenwart*1 in der zionistischen Nomenklatur nicht zu existieren scheint), und wenn sie von der jüdischen Universität in Palästina sprechen, verstehen sie darunter jenes nationale Institut, das dem jüdischen Volk die Bedürfnisse seiner Bildung, seiner Kultur und seines Auflebens befriedigen soll, ' Von ihrem Standpunkt aus ist das nur Jne gerechte Folgerung. Wenn schon einmal in den Ländern des „Galuth" ein nationales jüdisches Leben nicht lebt und nicht leben kann, wohl aber in Palästina bereits vorhanden ist und nur dort zu bestehen vermag, dann ist ohne Zweifel nur dort der Platz für eine nationale jüdische Hochschule, und für sie lohnt sich hartnäckiger Kampf selbst dann, wenn man jenen Zionisten zustimmt, die vom zionistischen Standpunkt aus für jene Arbeit die Zeit noch nicht gekommen glauben. * Was aber sollen die tun, die die zionistische Zuversicht zu den palästinensischen Kolonien und die zionistische Verzweiflung gegenüber dem Golus nicht teilen? Sollen auch sie dem zionistischen Univcrsttatspian zustimmen? Auch sie es für richtig halten, daß, wenn überhaupt die Kulturenhvicklung unseres Volkes die Gründung einer jüdischen Universität notwendig macht, Palästina dafür der geeignete Boden sei? Selbstverständlich nicht Ist es doch klar, daß ein Volk sich seine Lehranstalten, die hohen wie die elementaren, dort gründet/ wo es selbst wohnt und seine Kulturzentren hat So war es stets bei uns Juden. Als Jerusalem fiel, waren unsere damaligen Uni-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.