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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 163

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Zur Universitätsfrage
Date
1914-06-30
Page
163 (sequence 4)
Language
German
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Sch, Niger, Zur Universitätsfrage 163 Sclunad und Selbstmord gehen, wenn wir ihnen keine Hochschule bauen."i*) Ich weiß nicht, wie andere sich dazu stellen, mich laßt aber das Drohen unserer schneidigen Muttersöhnchen ganz ruhig, so heftig sie auch schreien: „Den Doktortitcl her — anders wollen wir nicht leben!" Damit sage ich selbstverständlich nicht, wir müßten uns gleichgültig zeigen zu den schrecklichen Bedrückungen, denen unsere Jugend in ihrem Streben nach höherei* Bildung unterliegt, und diese Angelegenheit einzelnen Wohltätern und Mäzenaten überlassen. Die jüdische Gesellschaft m u ß sich allenthalben mit dieser Sache beschäftigen. Hier sollte nur dies scharf zum Ausdruck kommen, daß der gewaltige, von vielen Geschlechtern zu tragende Bau einer jüdischen Universität nicht auf der unzureichenden Grundlage gebaut werden darf, die von der (nur sie treffenden) Bildungsnot unserer Jugend und äußerlichen, zeitweiligen Mißlichketten geliefert wird. Ein monumentaler Bau muß sich aus einem monumentaleren Fundament aufrecken. * Nun aber kommen die Zionisten mit ihrem Plan, die Universität in Jerusalem zu errichten — und bald schon erhält die Sache einen großen und majestätischen Anstrich. Dem grandiosen historischen Unternehmen wird der ihm angemessene historische Unterbau. Die Zionisten haben Glück: andere Völker müssen Jahrzehnte- und jahrhundertelang kämpfen, Graßes, Heroisches schaffen, wüstes Land einnehmen, neues entdecken und Völker befreien, wenn sie im Namen der Geschichte reden wollen. Die Zionisten sind des Allen enthoben — fertig wirft es sich ihnen in den Schoß: „Schauen denn nicht vom Zionsberg die Jahrtausende herab? Und ist Erez Isroel nicht die Heimat unserer Vergangenheit, der Bibel, der Propheten und der Hasmonäer? Ist Jerusalem nicht die heiligste Stadt, der wir einen ewigen Schwur schworen — ist hier nicht der erhabenste Ort für eine jüdische Universität, eine Stätte dem jüdischen Geist, ein neues „Jahne**?" Als diese schönen Redensarten im Wiener Kongreßsaal verklangen, war ihre Wirkung so groß, daß die Leute einen historischen Moment zu erleben meinten, Wenigstens ,sprach Ussischkin dort in einem solchen Ton, daß man glauben konnte, die neue Universitätsgründung, das neue Jahne, sei nach langen und schweren Anstrengungen verwirk* licht worden, und der Festredner berichte jetzt, beim Eröffnet! der neuen Hochschule, mit berechtigtem Stolz von dem endlich vollendeten großen historischen Werk, Pi.egen doch schon immer die* Zionisten die schönen „historischen" Reden, die st£h ihnen *) Siehe Jewreskole Studeutschestwo Nr- 1, 12—13.

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