Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1914)
- Article
- Zur Universitätsfrage
- Date
- 1914-06-30
- Page
- 162 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Niger 1× ep/1824046
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1G2 Sch. Niger, Zur Universität frage steht, die Faktoren, die angeblich zu ihrer Errichtung zwingen, aufhören können wirksam zu sein, und daß die neuen besseren Bedingungen der jüdischen Studentenschaft die ganze gewaltige Arbeit überflüssig machen? Motiviert man also den Universitätsplan nicht damit, daß das jüdische Volk, wie alle anderen Völker, seine eigenen elementaren wie höheren Lehranstalten besitzen muß — begründet mau ihn mit 'der augenblicklichen Notlage unserer Studenten,, dann lieifit das nicht etwa eine jüdische Universität erstreben, nicht einen 'Mittelpunkt der in nationalen jüdischen Formen sich äußernden Menschheitskultur, sondern eine Hochschule, für Juden, eine Diplomfabrik. Was für einen besonderen Wert können diese jüdischen Diplome aber dann noch haben, wenn uns die allgemeinen Hochschulen wieder offen stehen? Allmählich wird dies ohne Zweifel eintreten. Denn der Kampf für unsere Menschenrechte verspricht weit bessere Resultate auch in dieser Hinsicht, als die Arbeit für eine derartige Hochschule, die niemals unsere großen Massen begeistern wird, weil sie sich nur auf Faktoren stützt, die außerhalb unseres Volkstums wirken, und Ihr Hochziel dies istj, unseren jungen Studenten Doktor- und Jngenieuj htel zu verschaffen. Unsere „Wohltäter", die derart den jüdischen Studenten versorgen wollen, werden sich aber wenig daran Stoßen, daß der Weg so lang und zeitraubend ist. Ist doch die Theorie so einleuchtend; Jüdische Bürgerskinder wissen nicht, wo studieren — baut man ihnen eben eine Universität. Ist dies denn nicht das rationalste Mittel? Ich würde mich natürlich nicht daran stoßen, daß dieses Projekt von seinen Verfechtern auf eine so verstandesmäßig geradlinige und utopistische Art begründet wird — wenn einen nur der Plan selbst begeistern konnte. Eine solche Idee einer jüdischen Universität jedoch, die sich lediglich auf die Skepsis an der Abschaffungsmöglichkeit der Prozentnormen stützt und nicht den intimsten Bedürfnissen der jüdischen Gesamtheit, sondern denen einzelner Individuen gerecht werden will — eine derartig kleine Idee wird niemals jenen Enthusiasmus, noch jene äußerste Willensanstrengung wecken, die aHein den Plan verwirklichen können. Bisher hat noch niemand uns den Nachweis erbracht, daß, wenn wir uns jetzt nicht schnell ans Werk machen, es dem Volk an Aerztcn und anderer Berufsintelligenz fehlen wird. Noch liefern wir eine Ueberzahl von Acrzten und Advokaten. Lehrer aber für unsere Volksschulen, erfahrene und auch in allgemeinem Wissen bewanderte — keinen kümmert,, daß sie uns fehlen. Dafür aber schreckt man uns mit der Taufe und dem Selbstmord: „Die jungen Menschen werden bis zu