Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1914)
- Article
- Zur Universitätsfrage
- Date
- 1914-06-30
- Page
- 161 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Niger 1× ep/1824046
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Sch, Niger, Zur Universüätsfrage 161 ihr, der kaum russischer Prozentnonn entlaufenen jetzt auch die Bildungsanstalten des Auslands zu verschließen beginnt — ist es nicht deswegen, daß sich das Interesse an einer jetzt im Auslande zu gründenden Hochschule so stark gesteigert hat? Ist nicht darum die Universitätsfrage eine in gutem Sinn aktuelle, an deren Lösung man jetzt mit allen Mitteln herangehen muß? — Ich verneine es. Ich kann in der Logik, die die Angelegenheiten der Studentenschaft unmittelbar zu der Frage einer jüdischen Hochschule in engste Beziehung setzt, nur eins wahrnehmen: den alten, jetzt schon fest verankerten Fehler im soziologischen Denken unserer Intelligenz — die geradlinige, utopische Denk- Weise, die folgendermaßen räsonniert: läßt man unsere Jugend in andere Hochschulen nicht mehr hinein — dann bauen wir Uns eben eine eigene Universität Wie einfach und logisch das klingt; wie geradlinig, ja wie kurz ist dieser Weg! Kann man denn überhaupt anders der jüdischen Bildungsnot beikomttien? Vertieft man sich aber nur ein wenig in die Dinge, dann nimmt man als erstes wahr, daß dieser einfachste und kürzeste Weg sich wie alles Geradlinige nur in der Luft ausführen läßt Oder muß man es unterstreichen, daß auf der Erde der kürzeste Weg meist der langwierigste ist, und das „logischste" Beginnen oft genug gegen alle Vernunft? Man sagt uns: Eine eigene Universität müssen wir haben — *u den fremden ist uns der Zutritt genommen. Damit aber gibt man zu, daß früher, so lange uns die ausländischen Hochschulen offenstanden, kein Bedürfnis nach einer jüdischen Universität bestand; nur seitdem man uns dort nicht mehr zulaßt wäre es aktuell geworden. Und ferner: nicht die innere Entwicklung in unserem Volksleben, ni<fnt die organischen Bedürfnisse unserer Kultur führten zu, der neuen Gründung, sondern ganz außerhalb liegende Faktoren: die russischen Prozent* normen und das Sichvcrschließen der westeuropäischen Hochschulen. Fragt man, ob diese äußeren Mißstände unabänderliche sind, bekommt man zur Antwort: ja — etwas ließe sich schon dagegen tun, 'doch wir könnten nicht darauf warten* Nun, Und eine jüdische Universität, ist das eine Sache von heute auf morgen? Oder nur eine Geldfrage? Wir wissen doch, daß bei weit reicheren Völkern, als wir es sindt Hochschulen, die den Namen Universität verdienen, niemals mit einem Male und auf einen Anlaß hin entstanden — im Gegenteil, nach und nach, im Verlauf einer langwierigen organischen Entwicklung, Wo zeigt sich dann aber in solchem Plan die schnelle Hülfe Und der kurze Weg, denen zuliebe man dem Projekt das Wort redet? Und wer wird die Möglichkeit leugnen, daß gerade in dem Moment, da die geplante Hochschule vor ihrer Fertigstellung