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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 156

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Der Wahlrechtsraub in Galizien
Date
1914-06-30
Page
156 (sequence 6)
Language
German
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156 Bcrl Locker, Wahlrechts raub Nun dies nicht geschehen ist — venit res ad nos'f" Und es folgte — eine §-2-Versammlung in Lemberg, mit 20 Heller Entree! Es folgten einige Konventikel in Provinz-Bethäusern und damit basta! Diese Komödie hat .sich dann noch wiederholt Zu einer großen Aktion, zu einer Aufrfitttung der Massen, zur Inszenierung einer gewaltigen Protestbewegung, zu einer ernsten Kraftanstrengung waren diese Menschen nicht zu bewegen. Und sie waren die einzigen, die es hätten durchführen können! Ich will über diese Sache, die mir immer wieder das Blut sieden macht, nicht mehr viete Worte verlieren. Nur eine Illustration noch. Am 9. Januar 1914 taget die zionistische Landeskonferenz, also unmittelbar vor dem Zustandekommen der Wahlrefonn (14. Februar). Die Konferenz, die den Polonohebraismus zurr« Parteidogma erhoben hat, hat der Wahlreform, der brennendsten Frage des Momentes, keine Sekunde geschenkt, nicht eiunial eine platonische Resolution wurde gefaßt, indes sie Stunden im Vorgenusse der fünfprozentigen Midrascha- Hilsen geschwelgt haben! Nun alles vorbei ist, lassen sie das jüdische Volk wissen, daß sie die paar armseligen Mandatchen gerne einstecken würden. Doch, es kommt der Tag! t Völlig versagt hat auch die sogenannte jüdische Sozialdemokratie, die seit 1911 wieder in das Schlepptau der Assimilation geraten ist. Sie hat hier und dort eine Versammlung abgehalten, hat aber nicht den Mut aufgebracht zu einer energischen Tat. Um kurz zu sein, sei nur erwähnt, daß B„ der Vertreter dieser Partei, in einer sozialdemokratischen Deputation an den Landmarschall nichts dagegen einzuwenden hatte, daß die beiden anderen Vertreter bloß von Ruthenen und P-olen sprachen und den Juden mit keinem Worte Erwähnung taten. Einzig und aHein die Poale-Zion haben ihre Pflicht vollauf und ehrlich erfüllt. f>er Wahlrechtskampf gehört zu den schönsten Blättern der Geschichte dieser Partei, In der Presse, in Versammlungen in allen größeren Städten, in einer speziellen Wahlreform-Broschüre haben wir die Massen zum Kampfe gerufen. Die Erfolge dieser Anstrengungen haben bewiesen, daß die Juden Galiziens leicht zu einer großen Protestbewegung mitzureißen seien. Leider ist die Partei eines Teiles des jüdischen Proletariats noch zu klein, sind ihre Kampfmöglichkeitetn zu gering, um aliein einen solchen Kjampf durchführen zu können. So brachten unsere Anstrengungen keinen realen Erfolg.*) *) Zum Beweise, daß diese Darstellung nicht einseitig ist, sei auf den Artikel von B. Rubstcin (der kein Poalc-Zionisl und In dieser Sache zweifellos objektiv ist) in Nr. 9 „Die jüdische Well* verwiesen.

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