Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-06-30
- Page
- 140 (sequence 7)
- Language
- German
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140 Lieber Birnbaum fort iti die Augen, wenn man — ich spreche hier von Galizien — die Volkszahl mit der geradezu krankhaften numerischen Stärke der jüdischen Intelligenz vergleicht. Diese Intelligenz ist, auf die fremde Klientel angewiesen, die ihr die dieser Klientel konnationationate Intelligenz jeden Moment zu entreißen droht. Die Aufrolhing der ostjüdischen Frage, die Herstellung klarer nationaler Verhältnisse in diesen Gebieten, die Absteckung der nationalen Grenzen liegt also nicht in der Inferessenrichtung der gegenwärtigen überschüssigen Elemente der jüdischen Intelligenz — und das ist die Mehrzahl. Diese sind vielmehr ökonomisch an dem Fortbestehen des jetzigen Zustandes interessiert. Dies mag den meisten ja gar nicht zum Bewußtsein kommen, bei so manchen mögen selbst objektiv ökonomische Interessen nicht maßgebend sein, alle mögen bona fide für eine vermeintlich rein objektive Ueberzeugung kämpfen. Im Grunde sind sie doch Werkzeug und Ausdruck ihrer Klasse, die instinktiv ihre bedrohte Existenz verteidigt. Daher ist diese Intelligenz chauvinistisch — in 'beziig auf Vergangenheit und Zukunft, assimilatorisch — für die Gegenwart, daher die Losung: Hebräisch oderPolnisch (man beachte die geradezu symbolische Analogie! Klausners: Gott oder Geschäft). Daher die vom Standpunkte des Volkes oft geradezu verbrecherische Gleichgültigkeit für alle Fragen der lebendigen Gegenwart, daher der Haß gegen den „Jargon" und — gegen Birnbaum, den Mann, der nicht nur die Halbheit und Hohlheit ihrer Seele aufgedeckt, ihren verderblichen Einfluß auf die Massen bekämpft hat, sondern; in dem sich der Kampf für jüdisches Volkstum und Sprache verkörpert, der Kampf, der ihnen als Gruppe so unbequem, daher* als Einzelnen so unverständlich ist.*) V An der Quelle dieses Hasses sind die Wurzeln unserer Liebe und Verehrung für ihn zu suchen. Birnbaum ist kein Parteimann, keine Gruppe im jüdischen Volke hat den Gesamtkomplex *) Ich betone nochmals, daß es sich hier um unbewußte Grtippcnpsychologie handelt! Im Übrigen verdient dieses Thema eine weit eingehendere Behandlung, als es hier geschehen konnte.- Hier sei noch darauf hingewiesen, daß es gewiß kein Zufall ist, daß in Rußland, wo die Juden zu Schulen, Aemtern und freien Berufen nur in beschränktem Maße Zutritt finden, wo anderseits das jüdische Volk Ökonomisch stärker tst und einen verhältnismäßig größeren Bedarf an Intelligenz ^hat, wo also die Hypertrophie der Intelligenz viel kleiner ist als in Galizien — daß da das Volk mehr ernste Gegenwartspolitiker, die jüdische Sprache viele aufrichtige Freunde in der Intelligenz hat und — Birnbaum relativ weniger Feinde.