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Die Freistatt · 1914-05-28 · Heft 2 (28.5.1914) · p. 102

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 2 (28.5.1914)
Article
Ökonomische Übersicht
Date
1914-05-28
Page
102 (sequence 4)
Language
German
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102 Ben Mordechai, Oekonomische Uebersicht In der allerletzten Zeit läßt sich leider die umgekehrte Erscheinung beobachten. Infolge des Bodenhungers, der jetzt in den jüdischen Kolonien herrscht, wie auch infolge des Verbotes, außerhalb der Kolonien Land zu pachten — das Gesetz macht bloß für die jüdischen Kolonien im Jekaterinosslawer Gouvernement eine Ausnahme und erlaubt ihnen, nahegelegenen Staatshoden zu pachten —, setzte aus einigen Kolonien, besonders im Cherssoner Gouvernement, eine starke Auswanderung ein. Ein Teil der Emigranten kommt allerdings wieder zurück und richtet sich mit Hilfe amerikanischer Kapitalien sehr gut ein, die Mehrheit aber bleibt für immer drüben und geht der jüdischen Kolonisation in Rußland verloren. r r V Auch in wirtschaftlichem Sinne unterscheiden sich die jüdischen Kolonien in den beiden Teilen des Ansiedlungsrayons, in Neurußland und im Westgebiet. Der kleine Besitz der Kolonisten im Westgebiet, sowie die Unmöglichkeit, Land zu pachten, gewährt der Landwirtschaft nur in Ausnahmefällen das nötige Minimum für den Lebensunterhalt, so daß die Kolonisten andere Erwerbsquellen suchen müssen. Ihr Besitz ist meist so zwerghaft, daß es sich gar nicht verlohnt, lebendiges und totes Inventar zu halten. Wer sein Land nicht selbst bearbeiten kann, gibt es einem anderen Kolonisten oder dem christlichen Nachbar gegen einen gewissen Teil der Ernte. Von allen Kolonisten,, die mehr als 2,5 Dessjatin besaßen, waren 74 Prozent in irgendeiner Form mit Landwirtschaft beschäftigt, während ein ganz bedeutender Teil von solchen eine selbständige Wirtschaft führte. In den sechs nordwestlichen Gouvernements führen ungefähr die Hälfte und in den fünf südwestlichen Gouvernements ein Viertel der landbesitzenden Kolonisten eine selbständige Wirtschaft (bestellen selbst ihre Felder). Bei derartigen Verhältnissen ist es selbstverständlich, daß sie noch andere Berufe haben müssen. Und es ist charakteristisch, daß es in diesen Kolonien zur Zeit, da die ICA sie untersuchte (1898—99), überhaupt keine Kolonisten gab, die ausschließlich von der "Landwirtschaft gelebt hätten. Anderseits aber beschäftigten sich sehr viele überhaupt nicht mit der Landwirtschaft, nicht einmal im Nebenberuf. Wodurch die Kolonisten des Westgebiets sich nicht nur von ihren Brüdern im Süden, sondern auch von ihren christlichen Nachbarn abheben, ist ihre Vorliebe für den Gartenbau. Mehr als 90 Prozent der landbesitzenden Kolonisten hatten Gemüsegärten. Der größte Teil des Düngers wird für den Garten verwendet. Den Garten wird der Kolonist fast niemals verpachten. Doch hat diese Vorliebe für die Gärtnerei den Kolonisten nur wenig Nutzen gebracht Die meisten Gärten dienten bloß dem

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