Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 2 (28.5.1914)
- Article
- Ökonomische Übersicht
- Date
- 1914-05-28
- Page
- 101 (sequence 3)
- Language
- German
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Ben A^ordechai, Oekonomische Uebersicht 101 Westgebietnur wenig freien Staatsboden — und auf dem vorhandenen bestrebte sich die Regierung großrussische Bauern zu kolonisieren —, weshalb die jüdischen Kolonisten hier kleinere Landstücke als in Neurußland bekamen. Aus dem gleichen Grunde war hier auch die Gründung größerer jüdischer Siedlungen unmöglich. Die Folge davon ist, daß die jüdischen Dörfer im Westgebiet meist winzig klein sind, nur Dutzende Familien zählen. Dazu sind sie noch über ein weites Gebiet verstreut und verschwinden fast in dem1 großen Meer der christlichen Dörfer.; Ganz anders ist die Lage der jüdischen Kolonien in Südrußland: Hier liegen die Niederlassungen in ziemlicher Nachbarschaft. Am stärksten sind die jüdischen Kolonien im Jekaterinosslawer Gouvernement konzentriert, wo es infolge ihrer Nähe sogar möglich war, sie administrativ in besonderen „Prikäsen" zu vereinigen. Aber auch im Cherssoner Gouvernement sind die jüdischen Siedlungen nicht so verstreut wie im Westgebiet Im Cherssoner Ujesd (Bezirk) allein gibt es 18 jüdische Kolonien, die übrigen im benachbarten Jelissawetgrader Ujesd. Infolge der größeren Landreserve, welche die jüdischen Kolorier in Neurußland im Vergleich mit ihren Schwesterkolonien im Westgebiet besitzen, entwickeln sie sich stark. Wie bedeutend die Bevölkerungszunahme dieser Kolonien im Laufe der letzten Jahrzehnte war, zeigen am besten folgende Ziffejrn: 1859 wurden in allen jüdischen Kolonien des Cherssoner Gouvernements 10 641 Seelen gezählt, während bei der Zählung der ICA 1898—1899 diese Zahl 18 802 betrug, sich also um 76,7 Proz. erhöht hatte/*) Etwas langsamer geht die Entwicklung der jüdischen Kolonien im Jekaterinosslawer Gouvernement vor sich. Aber auch hier halten sie im allgemeinen ihren ganzen natürlichen Zuwachs fest. Besonders rasch entwickeln sich die Kolonien im Mariupoler Ujesd, wo cftie Bevölkerung, nach den Angaben der „Sernsstw-o", im Zeiträume 1886—1901 von 2396 auf 3475 Seelen oder um 44}3 Prozent stieg.**) Diese riesige faktische Bevölkerungszunahme in den südlichen Kolonien ist selbstverständlich nicht bloß durch die natürliche Vermehrung zu erklären, sondern auch damit, daß viele Familien, die früher das schwere Joch der Erdarbeit nicht tragen wollten und die Kolonien verließen, zurückzukehren begannen.