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Die Freistatt · 1914-04-30 · Heft 1 (30.4.1914) · p. 33

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 1 (30.4.1914)
Article
Der jüdische Weltschmerz
Date
1914-04-30
Page
33 (sequence 8)
Language
German
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Sch. L Hurwitz, Der jüdische Weltschmerz 33 * harten, als wir sahen, wie dieser Kitt wenig Kraft besaß, um dir Risse zusammenzuleimen, zur Zeit, als die zerstörende Flut immer stärker heranströmte und alles niederriß . . . Waren laiche, die sagten, es sei schimpflich, mit solchen Fragen zu lammen. Jedes Volk kämpft halt um sein Dasein und fragt nicht wozu und wofür. Und warum denn sollen wir allein mir Zweck und Ziel für unsere Existenz suchen, als wäre sie nicht selbst schon Zweck und Ziel an sich. Aber in dieser Antwort selbst, in der sfe Heilung für unsere Leiden vermeinten, "lirgt wieder eine Frage, die den tiefsten und wundesten Inhalt;ill unserer Fragen in sich birgt: Nun denn, warum kämpfen alle Völker um ihre Existenz und haben nie Fragen bereit, während wir uns immer nur mit Skeptizismen, Diskussionen und langen Debatten vergeuden, ohne zu Positivem zu gelangen? Warum gibt es bei uns so viele Diskutanten und so o. rnige Männer der Tat? Warum hält sich das ganze Volk der \uflebungsbewegung, der Bewegung für seine Auflebung fern? I 1 denn das schon nicht ein genügender Beweis dafür, daß ille Völker, die um ihre Existenz kämpfen, in sich Lebenskräfte innehaben, die ihre Rechte fordern und sich in einer selbständigen nationalen Welt verkörpern wollen, daß sie kämpfen, uin ihrer Seele teures Blut zu verteidigen? Hingegen wir, wir ind müde und alt geworden, wissen nicht mehr und fühlen icht mehr, worum wir kämpfen . . . Und auch dies: Kein olk hat sein Land verlassen, jedes blieb in dem seinen zurück, um es zu beschützen und auszubauen, und seine Söhne sind daran mit allen Fasern ihrer Seele gekettet; ja, alle Völker haben wirkliche Landgrenzen, haben ein Königreich, mit dem Mi; organisch verbunden sind, sie bauen es aus und entwickeln sich mit ihm weiter. Ja, diese kennen ihre Grenzen — und wir? Ist doch der nationale Rahmen längst geborsten, innerhalb dessen sich der Geist unserer Nation fortbewegte. Wir n Iranken im Grenzenlosen, und die Unendlichkeit ist unsere < u enze, sowohl physisch als auch geistig. Wir fanden uns auch besondere Rollen in dieser Zersplitterung. Es hat sich in uns sogar eine besondere Psychologie diesen Rollen zuliebe herausgebildet Und nun, ist es denn möglich, daß ein über;ilh: Lande hingesätes Volk zu seiner Unversehrtheit, zur UniMTÜhrtheit seiner Jugendtage zurückkehre und sich für einen nationalen Kampf zusammennehme, weil — wreil in uns noch nnii'v Lebensreste nachzittern, die da sagend wir haben den I nlsrhluß — leben wollen wir?! Wir haben den Entschluß gefaßt! Aber dies ist doch kein allgemeiner nationaler Entschluß, wenn da einige Phantasten und I l amnduseler kommen und ein donnerndes Wort erfinden, um

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