Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Der jüdische Weltschmerz
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 31 (sequence 6)
- Language
- German
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Sch. I. Hurwitz, Der jüdische Weltschmerz 31 Uxr und kraftlos, die ganze Märtyrologie nur als ein grausamer und geschmackloser Zufall, gleich als wäire ein Ameisennest geplündert worden, um dessen Schicksal sich keiner kümmert. Wer bedarf ihrer? Und dieses Leben, das immer in der Luft hängt, ohne Fußfassung und ohne jeden territorialen Zusammenhang, dieses Leben mit all den inneren Schäden und inneren Verletzungen, mit all dieser furchtbaren Kluft zwischen nationalen Möglichkeiten und dem müden Willen der Ghettoträumer, dieses;ilso soll ihrer Seele Nahrung bieten — das Geld, die vielen iiörseaner, die Schacher-Macher und alle Trödler, die ihnen nachhumpeln, wie klein, wie mißachtenswert und niedrig kam es ihnen vor! Da begann in ihrem Innern die Frage um ihre Zukunft aufzulodern, die Frage des einzelnen und der Gemeinschaft, ein tragisches Problem, das die Herzen unserer Besten /u beunruhigen nicht aufgehört hat im Laiife der ganzen Hask o 1 o - Periode und bis zum Zionismus. Denn, war doch der Zionismus die Fortsetzung der Haskolo — eine Bestrebung, die Seele zu erlösen und ihr ein eigenes Heim m schaffen. Diese „Hüter der alten Mauern", die am Anfang dem Zionismus entgegentraten, hatten einen richtigen Instinkt Sie fühlten, daß dieses alle nur gekommen war, um eine Begleiterscheinung der Haskolo zu werden — mn den Golus und seine Lehren mit all der Romantik, die in ihnen beiden steckt, verhaßt und eine innere Befreiung auch (fen breiteren Volksschichten möglich zu machen, die vorerst von der Haskolo noch nicht angesteckt waren. Dies ist die Brücke zwischen dem Ghettojudentum und der großen menschlichen Welt, dies ist die Dreistigkeit jener geheimen Empfindungen, die in der Seele des sich befreienden Juden aufzulodern begannen, und als Flammen nach außen schlugen1 * . . Aber sowohl der Zionismus als auch die Haskolo waren ein mißglückter Erlösungsversuch, Die Tore blieben verriegelt, und das Volk blieb konservativ. Der Wille der vereinzelten Träumer ringt mit der Möglichkeit und kann ihrer nicht Herr werden — und das Welträtsel harrt noch immer der Lösung. Und groß ist die Verwirrung, und tief der Schmerz. v*, '♦^ Und als vor einigen Jahren in unserer Welt die Frage der l xistenz des Judentums aufstieg, und wie eine Mauer, als ein nationales Problem, das mit aller Gewalt Lösupg erheischt, aufgepflanzt wurde, da hoffte noch keiner von uns, daß dieses Traumbild so raschen Schrittes abrollen werde .; . Alles, was luTnach in unserer Welt in Rußland, in diesem größten Reservoir des Judentums, geschah, vom Anfang des dortigen J riihlings" bis jetzt, wies mit aller Bestimmtheit darauf hin,