Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Noch einmal Ost- und Westjudentum
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 25 (sequence 6)
- Language
- German
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Mathias Acher, Noch einmal Ost- und Westjudentum 25 l inzigen, worauf man noch einigermaßen recht hätte, stolz zu stin — daß nämlich alle die „Einpflanzungs"-Ideen der In- Irlligenz, wie „Volksfreiheit", „Selbsthilfe" usw., am Ende doch; nichts anderes vorstellen, als ein schwach nachhallendes peripherisches Beben, das irgendwo weit, weit im Erdreich des Volkes seinen zentralen Herd hat! Im übrigen wird die neue Lehre von der nationalen Missior der westjüdischen Intelligenz oft in einer Variante vorgetragen, die den ursprünglichen Standpunkt stark verrückt. Es sind dann nicht die Intelligenten schlechthin, sondern einzelne westjüdischet Persönlichkeiten, auf die man sich beruft Es wird auf das Bedeutende oder gar Ueberragende hingewiesen, das diese Menschen für die jüdische Sache und speziell für dfe Wiedergeburt oder Ermannung des jüdischen Volkes gewirkt haben. Aber vor allem betrifft das, wofür diese Menschen gerühmt werden, zumeist gar nicht das, was eigentlich einzig und allein hier in K'ede steht, nämlich das innere Lebenssystem, sondern nur eine * gewisse Außentechnik des Volkes- Und wo dies doch der Fall * > 1 ist, wo bedeutende Westjuden wirklich organische Innenarbeit im voll-lebenden jüdischen Volke besorgten — folgt erst recht nichts daraus. Denn Genies sind eben keine einfachen Intelligenzler, und es ist ganz verständlich, daß nach dem Erlahmen! der Westjudenheit innerhalb der großen jüdischen Gemeinschaft < inige Begnadete zurückblieben, die noch imm'er den Grundplan, «Irr Gemeinschaft in ihrer Seele tragen und ihn zu mitschöpfeuscher Wirklichkeit werden lassen, Damm braucht man noch nicht' die ganze Westjudenheit oder einen ihrer Teile mitzuhr mühen. Und man darf es nicht. Denn wäre eine Mitbeteili- \ung der Gruppe an dem Verdienste der Genies wirklich vorhanden, dann müßten auch innerliche Rückwirkungen der Genies jwf die Gruppe wahrzunehmen sein. Es wäre dann nicht zu erklären, warum sie eigentlich nur dort arbeiten, wo auch ohne mV Leben und Lebenssystem da sind, mit allen ihren jüdisch gesteigerten Ausnahmspersönlichkeiten aber nicht imstande sind, (V; Gruppe auch nur ein Atom von den ihr verloren gegangenen I cbenstatsachen und Lebensenergien zurückzugeben, ja im Gegenteil durch die fortschreitende Verwitterung der Gruppe selber iinmer seltenere und seltenere Erscheinungen werden.*) *) Man hat auch versucht, mich mit mir selber zu schlagen, indem man darauf hinwies, daß ja auch ich der „volksfremden westlichen Intelligenz* entstamme. Demgegenüber möchte ich zur Richtigstellung vieler gedruckter und H>nst verbreiteter Irrtümer bemerken, daß ich zwar in Wien geboren und dort in deutschen Schulen erzogen wurde, aber von ostjüdischen Eltern stamme, die .tiich in Wien noch ein ziemlich ostjüdisches Leben führten, daß ich also von I laus aus nur um eine äußerst geringfügige Nuance westjüdischer bin, als die meisten Intelligenzier in Galizien oder Rußland. Dem widerspricht natürlich