Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Noch einmal Ost- und Westjudentum
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 26 (sequence 7)
- Language
- German
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4 26_Sch. L Hurwitz, Der jüdische Weltschrnerz_ So erweisen sich* also auch alle Bemühungen, gerade den um ihre jüdische Lebendigkeit gekommenen West- und Intelligenzjuden eine Art nationale Mission innerhalb des jüdischen Volkes zu vindizieren, als durchaus unhaltbar. Nichtsdestoweniger müßte man diese Versuche gegenüber der bloßen Analogisierung von Osten und Westen als Fortschritt begrüßen, wenn darin ein Positivismus zum Ausdruck käme, der sich statt an der Qstjudenheit, an der Westjudenheit orientierte. Man könnte dann diesen Positivismus als schief belächeln und doch hoffen, daß sich aus ihm auf dem Wege über ein Erkennen der tatsächlichen nationalen Innenmachtverhältnisse ein gerader und gesunder Positivismus entwickelt, der allfällige letzte innere Möglichkeiten der Westjudenheit aufspürt und auf ihren realen Wert hin prüft Leider sind aber alle diese neueren Loblieder auf die Westjuden nichts weniger als positivistische Symptome, dienen vielmehr nur dazu, den landläufigen Pessimismus zu unterstreichen. Es is<t daher auch unmöglich, Hoffnungen auf sie zu setzen. Und so scheint selbst das Problem der letzten inneren Möglichkeiten der Westjudenheit dem Positivismus des Ostjudentums zum Studium aufgespart zu bleiben. Doch das gehört schon in ein anderes Kapitel. Der jüdische Weltschmerz (Zeitwirren) Von Sch. I. Hurwitz**) Nach langer Wanderung und nach einer wunderlichen Existenz im Laufe zweier Jahrtausende, blieb unser Volk am nicht, daß ich später erst eine Art „Assimilation" ans Ostjudentum nötig hatte. Und diese meine spezifische „Assimilation* ist wiederum natürlich nichts weniger als ein Gegenbeweis gegen die von meiner bescheidenen Existenz doch gründlich unabhängige gewaltige Lebenstatsache des ostjüdischen Blocks. **) Manches Gewichtige sprach gegen die Veröffentlichung des Hurwitzschen Aufsatzes* Nicht etwa Furcht vor gesinnungstüchtigen Inquisitoren, die hier Anlaß zur verdächtigenden Betätigung finden würden. Auch nicht die Sorge, es könnten diese Kundgebungen eines — das ist leicht wahrzunehmen — unkünstlerischen und darum kraftlosen Nihilismus die Leser der Freistatt verwirren, oder gar als der Redaktion jüngste Anschauung von den jüdischen Dingen interpretiert werden. Nicht wenige unserer Leser sind ja aus der neuhebräischen Literatur her an solche Gedanken- {eigentlich Gefühls-)gänge gewöhnt, — Was uns die Veröffentlichung widerriet, das waren nicht die äußerlichen Bedenken