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Die Freistatt · 1914-04-30 · Heft 1 (30.4.1914) · p. 22

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 1 (30.4.1914)
Article
Noch einmal Ost- und Westjudentum
Date
1914-04-30
Page
22 (sequence 3)
Language
German
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22 Mathias Acher, Noch einmal Ost- und Westjudentum liehe Vervollständigung dar. Infolgedessen ist ein solcher Reichtum an Eigenstoff in ihm, daß es, wenn es heute in die Welt gehen muß oder sich morgen über Rußland „zerstreuen" wird, diesen Eigenstoff überall hintragt, überall Inseln unter den anderen, aber nicht im Verhältnis zu den Brüdern bildet; daß in allen den zerstreuten Zentren seines Lebens eine Seele webt — eine Seele, der noch obendrein die vollendete Technik des Zeitalters dient. Auch der Abfall der ostjüdischen Intelligenz selbst ist kein Beweis gegen diese Dauerhaftigkeit des ostjüdischen Volkstums, ode* für irgendeine wesentliche Analogie. A/Van darf nur nicht Dinge verwechseln, die miteinander nichts zu tun haben. Prüft man nämlich bloß die Physiognomien und Psychologien der beiden verglichenen Schichten, dann findet man allerdings eine;, weitgehende Analogie heraus, die auch dadurch nicht aufgehoben wird, daß eben erst aus der ostjüdischen Gemeinschaft gesprungene Intelligenzler noch eine unbewußte, eine Lebensjüdischkeit besitzen, wie sie an Westjuden nicht beobachtet werden kann. Aber diese psychologische und physiognomische Analogie zwischen ostjüdischer Intelligenz und Westjuden ist es ja gar nicht, die bestritten werden soll — bei der ursprünglichen Verwandtschaft des Menschenmaterials und bei der liebereinstimmung des Entvölklichungsvorganges wäre nur das Gegenteil verwunderlich. Hier handelt sich's vielmehr um etwas anderes — um die geschichtlichen und inhaltlichen Wechselwirkungen zwischen Intelligenz und Volk, Die sind im Westen und Osten wahrlich nichts weniger als analog, sondern geradezu grundverschieden. Während in der Westjudenheit; infolge Ihrer besonderen inneren und äußeren Bedingungen das Assimilationsbeispiel der einheimischen Intelligenz sofort den weitesten Widerhall und Anklang fand, während das westjüdische Volk rasch mielligentisiert und als Volk zersetzt wurde, können wir bei der Ostjudenheit eine ganz andere Entwicklung der Dinge verfolgen. Bald nach ihrem Auftreten im Westen kam die neue Geistesseuche auch nach dem Osten. Aber sie stieß eben hier wieder dank besonderen inneren und äußeren Bedingungen nicht auf die Empfänglichkeit, auf die sie im Westen gestoßen war. Wie eine starke Mauer stand das ostjüdische Volk da und ließ sich sich nicht unterkriegen. Nur einige Steine wurden ausgebrochen: Die Bausteine jener ostjüdischen Intelligenz, die wir heute vor uns sehen. Und mögen auch nach de;m Gesetze der Trägheit noch bis auf den heutigen Tag und weiter viele abbröckeln, das ostjüdische Volk und Volkstum werden dadurch nicht gefährdet. Für jeden auf intelligenzlerischem Wege Abgefallenea

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