Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Noch einmal Ost- und Westjudentum
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 21 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mathias Acher, Noch einmal Ost- und West Judentum 21 Sie ist ja sicherlich recht bequem und einfach, aber sie kann dem nur etwas besser bewaffneten Blicke nicht standhalten!. In Wahrheit ist nämlich gerade das Gegenteil der als so sicher und so selbstverständlich behaupteten Analogie richtig. Die beiden verglichenen Entwicklungskomplexe stimmen auch nicht in einer einzigen Voraussetzung überein. Vor allem sind schon die Umwelten, die an den Wie der angeblich analogen Entwicklungen stehen, wesentlich verschieden. Andere Ideen und Tatsachen regieren. Damals war gerade das kalte Licht des Sterns Aufklärung über der europäischen Menschheit aufgegangen, und es zeigte ihr ihre weitere Geschichte als gerade, sichere Linie, Heute beginnt sie sich achselzuckend von diesem Lichte abzuwenden und sich wieder am natürlichen Werden und am übernatürlichen Sein zu orientieren, Damals war abstraktes Weltbürgertum Parole, heut e herrscht die Nationalität. Und wenn am feinen Horizonte doch auch schon damals der nationale Gedanke auftauchte, so war es der staatliche Herrschaftsnationalismus, während heute schon der reine Kulturnationalismus seinen Schimmer vorauswirft. Damals tra+ der dritte Stand auf den Plan, heute hat sich der vierte c >cu. Damals gab es noch nicht einmal den wagen, ite haben wir die drahtlose Telegraphie und den Mensel iug. Damals war das Wirtschaftsleben primitiv, heut ist es iekdt und verwickelt. Wer kann nun wirklich glau ben, * bei so gewaltiger Differenz im Gepräge der beiden F.poch die Entwicklung eines Volkes, das so sehr in seine Umgebung eingebettet ist, in Analogien vor sich geht? Zumal noch besondere, dem Fall selbst eigentümliche Verschiedenheiten der Sachlagen hinzukommen: o Dort stand ein an Anzahl schwaches, in seinen Siedlun undichtes, nicht verelendetes und für seine bürgerliche mische Rolle im Staatshaushalte geradezu präpariertes Volk nicht nur eine* Zeit mft rationalen Idealen, sondern auch einer großen, einheitlichen und spröden Nation gegenüber* Und hat es innerhalb dieser schon lange und unmerklich eine Abnahme seiner inneren Reserven erfahren, so ward es jetzt bald wit auf einer (t nen unzugänglichen Insel von seinen Stammesbrüdern in der!>;u zen Welt abgeschlossen. Hier dagegen sehen wir ein an Zahl und Dichtigkeit der Siedlung starkes, zum großen Teile armes und für Proletariat und Kleinbürgertum vorbereitetes Volk nicht nur einer Zeit mit realistischem Blick und tiefer Sehnsucht, sondern auch einer Vielheit von weichen elastischen Nationen gegenüber. Und seine ganze Geschichte unter ihnen, weit entfernt, eine Einbuße zu sein, stellt sich gerade im Gernteil als eine fortwährende innere Festigung, eine unaufhöri >