Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Etwas über Judenmission
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 18 (sequence 4)
- Language
- German
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18 Etwas über Judenmission, von einem Katholiken 1822 der „Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden" die landesherrliche Anerkennung und bald darauf auch Portofreiheit erteilt*) Später kamen in Deutschland noch zwei weitere Gesellschaften hinzu. Beachtenswert ist, daß laut Verfügung des preußischen Ministers des Innern vom 3. Juli 1818 der Rücktritt ins Judentum frevelhaft ist und Landesverweisung nach sich zieht. Diese Bestimmung wurde jedoch durch ein ministerielles Rundschreiben vom 28. Juli 1848 an alle Konsistorien außer Kraft gesetzt. Unbefangenen Christen fällt an den Missionaren jüdischer Abstammung in der Regel auf der Mangel an allgemeiner und gesellschaftlicher Bildung, an wissenschaftlicher Schulung und gemessener Ruhe, dagegen Aufdringlichkeit, Prahlerei und eine gewisse Unverfrorenheit Wie mancher mußte schon wegen seines anstößigen Lebenswandels entlassen werden! In den 1830er und 40er Jahren las man viel von dem abenteuerlichen Joseph Wolff (1796—1862), welcher Asien, Afrika und Amerika durchquerte, überall Bekanntschaften machte, beispiellose Gefahren aufsuchte, nahe daran war ihnen zu unterliegen, dann aber nach Art eines Romans durch plötzlich hinzugetretene Rettung befreit wurde und sich überhaupt als Charlatan und Aufschneider erwies. In den russischen Ostseeprovinzen verdarb L Adler mehr, als er gut machte. Auf einer höheren Warte steht zwar R, Gurland, erst in Mifau, dann in Südrußland wirkend. Allein seine kürzlich veröffentlichte Autobiographie (Gütersloh 1908) berichtet doch Dinge, die mindestens eine große Leichtgläubigkeit voraussetzen. Viel Rühmens machte man in den Jahren 1890—93 mit Hermann Warszawick in London, seinem häufigen Taufen und seinem „Heim für verfolgte Judenchristen und Wahrheitsforscher", Aber schließlich erwies sich seine Tätigkeit als eitel Flunkerei. Dann geht er nach New York, setzt sich mit der City Mission in Verbindung, gründet die American Hebrew Mission. Gegen ihn erheben sich bald schwere Anklagen: Verlogenheit, daß er die Juden durch Bestechungen an sich ziehe und in der Verwertung der Missionsgelder höchst leichtfertig vorgehe. Diese Anklagen wußte W. nicht zu entkräften, sein Werk ging zurück, und er selbst gab 1906 die Missionsarbeit auf. Ein gewisser Jakob Freshman in New York wollte die amerikanischen Judenchristen in besonderen Gemeinden sammeln, kam aber ebensowenig wie in Palästina vorwärts, weil seine Mitarbeiter häufig verkommene Menschen waren. Der aus Litauen unter eigentümlichen Umständen entflohene Salorno Fein- *) Es gehört zu den absonderlichsten Kulturkuriosa, daß diese Portofreiheit noch in der jüngsten Zeit nicht aufgehoben wurde. Die Schriftleitung,