Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Der Hebraismus und die Reaktion
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 12 (sequence 5)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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12 Bai Dimien, Der Hebraismus und die Reaktion haskolo" der Organisation einer Schule die Subsidien verweigerten, weil dort auf Jiddisch unterrichtet wurde. 4) Ein weiterer Vorfall aus der jüngsten Zeit: In Charkow suchte man einen pädagogischen Fachmann für die dortige Talmud-Thora. Vorgeschlagen wurde ein bekannter jüdischer Pädagoge. Der erklärte, er sei dem Hebräischen durchaus geneigt, und er werde es in der Charkower Talmud-Thora natürlich unterrichten. Diese Kandidatur wurde aber ohne weiteres zurückgewiesen — trotzdem bei uns ein offenbarer Mangel an erfahrenen Pädagogen herrscht —, nur aus dem einen Grunde,, weü der Kandidat sich freundlich und liebevoll zum jiddischen bezieht. Zur selben Zeit hat man aus der Charkower Talmud- Thora Jiddisch aus dem Unterrichte gestrichen. Die das taten, Hebraisten und Zionisten, handelten im engsten Bund mit den assimilatorischen Elementen. Nur ist die theoretische Begründung dieser Heldentat allein auf ihr Konto zu setzen — die Assimilanten haben daran keinen Anteil. Wenn Herr Glücksohn nur wollte, könnte er mir, was die jiddischbekämpfung seiner Gesinnungsgenossen angeht, dieses Material nach allen Seiten hin vervollständigen. Allein aus seiner Vaterstadt Odessa; wie man z. B, in den dortigen Schulen die Volkssprache behandelt. Nun aber besitzt der Herr Glücksohn ein merkwürdig glückliches Naturell, das ihn vor den Lesern der ,WeIt* die bekanntesten Ruhmestaten russischer Hebraisten vergessen und die verzweifeltsten Mittel zum Reinwaschen seiner Partei benutzen läßt. Kein Wunder. Wer auf so festen Fundamenten, auf der „Sehnsucht nach innerer Einheit und Echtheit, deren Name Zionismus ist", baut, der muß schon etwas phantastisch mit der Wirklichkeit umspringen, selbst auf die Gefahr hin, daß die Wahrheit darunter leide. So werden denn aus den inquisitorisch und terroristisch gesonnenen Hebraisten bei Herrn Glücksohn unschuldige und sanfte Lämmlein, denen von den reißenden jiddischistischen Wölfen überhaupt keine Ruhe mehr gelassen wird. In der Wirklichkeit sehen diese Dinge etwas anders aus — da besitzen die Hebraisten den Geldsack und die gepanzerte Faust — dank ihrer innigen Waffenbrüderschaft mit den verbissensten Assimilanten, die sich natürlich ins Fäustchen lachen, und die nur deshalb so plötzlich glühende „Luschenkoidesch"-Verehrer wurden, weil sich so leichter das jüdische Wort und das jüdische Wesen ersticken läßt. Daß Hebräisch jemals die nationalisierenden Funktionen des Jiddischen erfülle/? werde, davor bangt ihnen natürlich nicht, und so hören sie sich schmunzelnd und ohne Angst die hebraistischen Phantasien an. Die Hebraisten wiederum fühlen sich auf der Höhe ihres Wahns und schrecken nicht vor den brutalsten Knechtungen und Atten-