Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Der Hebraismus und die Reaktion
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 11 (sequence 4)
- Language
- German
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Bai Dimien, Der Hebraismus und die Reaktion 11 „Ueberhaupt, um von anderen Einwendungen gar nicht zu reden, taugt der Jargon nicht als Unterrichtssprache in der Schule, denn er entspricht nicht den elementarsten Forderungen, die .an eine derartige Sprache zu stellen sind. (,Raßwiet* 1914, Nr. 12, S. 7.) „Jargon als Mittel, beim jüdischen Kind das ordentliche Denken, richtige Vorstellungen und Begriffe, einen gewissen inneren Schönheitssinn und andere geistige Fähigkeiten zu entwickeln — ist eine contradictio in adjecto/' (ibid. S. 8.) Schwerlich aber werden diese mühelos aus jüngsten Aeußerungen seiner Genossen herausgegriffenen Zitate Herrn Glücksohn zu dem Eingeständnis veranlassen, wessen Phantasie in Wahrheit die Ibrith o Russith-Parole hervorbrachte. Denn er {hat in seinem Aufsatze noch weit schlimmere Entstellungen gewagt. So zitiert er als Beschluß der vorjährigen Wiener Konferenz russischer Zionisten, es sei Jiddisch dort überall, w(? es mit den Landessprachen zur Wahl stehe, als Unterrichtssprache für die jüdische Schule einzuführen. Er geht in der Entstellung unzweideutiger Tatbestände bis zu der frappierenden Behauptung, die Exekutive der russischen Zionisten befasse sich mit der jiddischen Schule. Gegen diese und andere irreführenden Phrasen mögen die Taten der russischen Hebraisten .'.zeugen: 1) Auf derselben Wiener Konferenz entbrannte der Kampf gegen Jiddisch gleich beim Verlesen des Jahresberichts. Die Konferenz beschloß trotz lebhafter Proteste, daß der Bericht auf Russisch und Hebräisch, aber nicht auf Jiddisch zu lesen sei, < v 2) Auf der bereits erwähnten Konferenz der Chewro mfizej .haskolo (siehe darüber im 1. Jahrgang der ,Freistatt' Seite ()04—605) stand die Frage zur Beratung, in welcher Sprache der Unterricht in den Schulen der Bildungsgesellschaft zu erteilen sei. Bis dahin geschah er in der russischen Sprache, Jiddischisten verlangten vom rein pädagogischen Standpunkte aus die Muttersprache, also Jiddisch, für die Schule. Keiner der anwesenden Zionisten und Hebraisten hatte dagegen etwas vorzubringen. Keiner hatte den Mut, Hebräisch als Unterrichtssprache zu reklamieren. Als es jedoch zur Abstimmung kam, stimmten sie gegen Jiddisch, traten damit also faktisch für russische, polnische, ukrainische und Gott weiß welch andere Schulen ein. Die alle waren ihnen passend — nur nicht der verhaßte „Jargon". 3) Auf derselben Konferenz wurde festgestellt, daß in K; . . . ■die zionistisch-hebraistischen Vorstände der dortigen „Mfizej*