Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Der Hebraismus und die Reaktion
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 10 (sequence 3)
- Language
- German
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10 Bai Dimien, Der Hebraismus und die Reaktion setzt, Muß ich ihn an einige Dokumente nur der letzten Zeit erinnern, die er kaum den Jiddischisten 2ur Last legen, sondern als Aeußerungen der von ihm geschätztesten Wortführer des kämpfenden Hebraismus erkennen wird? „Ich betone es ausdrücklich, daß es eine lächerliche Unterstellung ist, wenn man behauptet, meine Parole „Entweder Hebräisch oder Russisch" schriebe sich von Liebe zum Russischen und von Feindschaft gegen Jargon her" (Joseph Klausner, ,Haschiloch\ Januarheft 1914, 81). Main sieht: „Entweder Hebräisch oder Russisch" ist Parole. Nur soll sie nach Herrn Klausner, Gott behüte, nicht von Liebe zum Russischen, sondern von ernsten nationalen Ersein. Es verlohnt sich, deren tiefsinnige wagungen Begründung und die Konsequenzen, die Herr Klausner aus ihnen zieht, hier zu zitieren: „Zwei Dinge kennt der Jude des „Galuth": Gott und Geschäft. Gott . . für ihn ist es die hebräische Sprache und Literatur; Geschäft . . . ist ihm die Landessprache; Jargon aber ist weder Gott noch Geschäft" Deshalb ist es klar, daß der Jargon dem Hebräischen mehr Schaden bringt, als die russische Sprache es tut", (ibid. S. 82.)' Herr Klausner begnügt sich damit nicht. Er beklagt es, daß u der „Jüdische Verlag" Aschs (in Rußland von der hcbraistischen Presse nicht aus sachlichen, sondern aus Einwendungen beschränktesten Parteifanatismus' maßlos verrissenen) „Maselech fyn Chymesh" in deutscher Uebersetzung herausgab; auch, daß die russischen Zionisten (bitterstem Zwang, nicht irgend welcher Liebe zum Jiddischen folgend) ein Wochenblatt in jiddischer Sprache herauszugeben planen. Gegen den zionistischen ,Raßwief in russischer, gegen die ,Welt* in deutscher Sprache und gegen alle anderen Organe der zionistischen Partei in fremden Sprachen und sogar Dialekten — kein Wort bei Herrn Klausner! Das ist die logische Folgerung seines „Ibrith o Russith"-Systems? dem Russisch, Deutsch, Polnisch usw. jüdischer, nationaler sind als die verachtete Sprache des „Galuth", der „Jargon", * . . Vielleicht steht Herr Klausner für sich — könnte der ahnungslose Leser der ,WeIt' entgegenhalten. Mag er sich bei einem anderen Wortführer der russischen Hebraisten Auskunft geben lassen. Jargon", schreibt Herr Davidsohn, der Redakteur des Zentralorgans der russischen Zionisten, „ist keine Sprache, nicht i? einmal ein Dialekt" (,Raßwiet< 1914, Nr. 11, S. 4.) „Er (der Jargon) ist ein nicht minder antinationales Element, wie jede andere Fremdsprache, nur daß die letztere den praktischen Vorzug hat, die Sprache des wirklichen Lebens zu sein." (ibid. S. 7,)