Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Der Hebraismus und die Reaktion
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
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Bai Dimien, Der Hebraismus und die Reaktion 9 wacht oder ein verstockter Assimilator oder gar ein Mensch, der mit voller Absicht die Dinge entstellt1. Was hilft dagegen Logik oder Belehrung? . , . Nun hat sich, ohne daß w i r ihn riefen, in der deutschen Zitadelle der hebraistischen Orthodoxie jemand zum Wort gemeldet, der diese Dinge erheblich anders ansieht als seine Kollegen. Hugo Bergmann, einer der gezählten Zionisten, denen die hebraistische Phrase noch nicht die Besinnung und den Willen zur Auseinandersetzung nahm, hat in der jWclt' einen Aufsatz veröffentlicht (siehe im 1. Jahrgang der »Freistatt' Seite 732—734), und er zeigt darin, daß er solch selbstverständliche Dinge, wie: „Der Ostjude braucht nur zu leben, und er lebt jüdisch. Diese Selbstverständlichkeit des Jüdischseins verdankt er vor allem der jiddischen Sprache . . ." begriffen hat. Er hat auch nicht vor dem Schluß zurückgescheut, daß „die Aufgabe des Jiddischen zugunsten einer nichtjüdischen Sprache ein Akt des nationalen Verrates ist". Herrn Bergmann, der ja östliche Zionisten zu kennen scheint, hat es ohne Zweifel verdrossen, daß in den Kreisen, wo mit „Schalom" und „Hedad" Komödie gespielt wird, täglich, ja stündrch dieser Verrat begangen wird. Er selbst zitiert den berüchtigten Beschluß der galizischen Zionisten, hebräisch-polnische Kindergärten einzurichten. — Uns ist das Wichtige an diesem Aufsatz nicht sein weiterer Inhalt, sondern die Tatsache, daß ihn ein Zionist geschrieben hat, also ein Parteigenosse, den man nicht mit der agitatorischen Phrase abfertigen kann. Auch die Redaktion der ,WeU* hat dies wahrgenommen, und so ist es kein Wunder, daß sie Herrn Glücksohn aus Odessa dazu bestellte, den arg kompromittierten Hebraismus makellos zu reden. Sein Artikel (Hebräisch und Jiddisch, ,Die Welt' Nr. 14) verrät das Cheder der Herren Ussischkin und Klausner; er ist vo voll der Odessaer hebraistischen Tiefsinnigkeit, daß ein Polemisieren damit zwecklos ist Nur eins daran ist interessant und verdient festgehalten zu werden: die skrupellosen Mittel, mit denen die hebräische Position verteidigt werden soll. Herr Qlücksohn leugnet Stein und Bein — die alte Manier, den Hebraismus vor dem nationalen Oedanken zu rechtfertigen. „Die sinnlose Parole: „Entweder Hebräisch oder Russisch" hat nie die russischen Zionisten beherrscht. Sie ist ein Produkt der Phantasie unserer Gegner." Das wagt Herr Glücksohn den Lesern der ,Welt' schwarz auf weiß vorzuführen. Auch hier weiß ich nicht, was mehr bewundern: Die kecke unterstellende Art, wie er feststehende Tatsachen umkehrt, oder die Naivität, mit def er bei seinen Lesern Geschmack und Zutrauen für derartige Spiegelfechterei voraus-