Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Der Wahlrechtsraub in Galizien
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 4 (sequence 4)
- Language
- German
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L Berl Locker, Der Wahlrechtsraub in Galizien Juden in den Handels- und Gewerbekammern zwei Drittel aller Mitglieder bilden. Es wird also gewiß eher zu niedrig s zu hoch gegriffen sein, wenn wir den Anteil der Juden an den Steuern mit einem Drittel ansetzen. Bei konsequenter Durchführung des Interessenprinzips würden also die Juden eine sehr hohe Anzahl von Mandaten erhalten . Aber wenn man auch die höhere Steuer kraft derselben in den einzelnen Kurien vernachlässigt und dazu noch die ICurie des großen Grundbesitzes und die Virilisten außer acht läßt, so müßte sich die Anzahl der jüdischen Mandate folgendermaßen darstellen: -. _.. Kurie Gesamtzahl der Mandate Prozent der jüdischen Bevölkerung und der jüdischen direkt, Steuern Jüdische Mandate Städte-Zensus n allg. Kurie . Handelskammern . Landgemeinden 46 12 i) 105 33,3 33,3 07,2 8,4*) 15 4 30 Hierbei haben wir die Bruchteile immer zuungunsten der Juden vernachlässigt, ebenso die Handwerkskammern, in denen die Juden 45,4 Proz. (Lemberg) bezw. 36,5 Proz. (Krakau) aller Mitglieder bilden. Kurz: Wenn bei der Hersteilung des Gesetzes nur halbwegs Gerechtigkeit gegen die Juden gewaltet hätte, so hätte man ihnen mindestens 3 0 Mandate zugestehen müssen. Ungefähr dieselbe Zahl käme ja auch bei bloßer Berücksichtigung ihrer Kopfzahl im Lande (11 Prozent von 227 Mandaten) heraus. Doch seien wir bescheiden. Wir sind ja schon daran wöhnt, bei Wahlreformen beraubt zu werden. Als vor geacht Jahren die Wahlreform für den Reichsrat geschaffen wurde, da warf man den Juden 6 bis 106 galizischen Mandate. Wäre man bei diesem Prozentsatz ge¬ Mandate hin, ca. 6 Prozent aller blieben wir erhielten noch immer 14 Mandate! Aber * Hier ist die ganze Landgemeinden-Kurie zusammengerechnet, daher eia anderer Prozentsatz.