Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Der Wahlrechtsraub in Galizien
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3119801-3119814-3119815-3121622--1339-3121682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Berl Locker, Der Wahlrechtsraub in Galizien 3 ll^MlMlM^HV^^^MIPI^^^^Mt^WW^^^HMM^tf «^^^^^«W^^^^^^^^^^^^M^H^^^H^^MVM gleiche Wahlrecht gedacht hat, so sollte es doch auf alle, auch .auf die Juden angewendet werden. Die Juden bilden fast 11 Prozent der gesamten Bevölkerung. Die Steuerkraft der einzelnen Bevölkerungsgruppen Galiziens ist ziemlich eingehend untersucht worden in einer offiziellen Ausgabe des galizischen Landesausschusses, doch suchen* wir dort vergebens nach einer Aeußerung über die Steuerkraft der jüdischen Bevölkerung. Wir erfahren nur, daß die Ruthenen, die 42 Prozent der Bevölkerung ausmachen, kaum über 18 Proz. der direkten Steuern entrichten; die übrigen 81 Prozent zahlen die „Polen und „die anderen". Unter diesen „anderen" sind in erster Linife die Deutschen zu verstehen, nicht etwa die Juden. Diese bilden doch „bekanntlich" keine Nation, sondern sind echte Polen! Wir müssen also die Steuerkraft der jüdischen Bevölkerung auf indirektem Wege berechnen. In der erwähnten Arbeit ist nämlich der Anteil der einzelnen Kurien (Ortschaftsgruppen) an den direkten Steuern berechnet Von den 34 345 761 K., die Galizien im Jahre 1910 an direkten Steuern gezahlt hat, entfielen auf den großen Grundbesitz 4< 386 621 K, - 13 Prozent, auf die Städtekurie 14 905 070 * ■■ Kronen =- 44,4 Prozent, auf die Landgemeindenkurie 14 287 726 Kronen =■- 42,6 Prozent. Diese letztere Ziffer verteilt sich wie folgt: Die Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern der Landgemeindenkurie zahlen 2 335 470 K., die restlichen zahlen 11952 256 Kronen. Die Juden in der Städtekurie bilden nun genau ein Drittel der Gesamtbevölkerung, in den Landgemeinden mit über 5000 Einwohnern 30 Prozent, in den restlichen Landgemeinden 6,25 Prozent. Wenn wir nun vorläufig den Anteil der Juden an den direkten Steuern der einzelnen Kurien ihrem Anteile an der Bevölkerung gleichsetzen, dann erhalten wir folgende Summen: Städtekurie 4 968 356 K., Landgemeinden mit über 5000 Einwohnern — 700 631 K., restliche Landgemeinden 747 016 K., zusammen: 6 416 003 K., oder 18,6 Proz. der gesamten direkten Steuern, bei bloß 10,87 Proz. der Bevölkerung. Auf den Kopf der Gesamtbevölkerung (die Juden mit eingerechnet) entfallen jährlich 4 (Kronen 18 Heileer an direkten Steuern, auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung 7 Kronen 34 Heller. Aber damit sind wir der Steuerkraft der jüdischen Bevölkerung noch lange nicht gerecht geworden. Denn kein Mensch zweifelt daran, daß der Anteil der Juden an den Steuern ihren; Anteil an der Bevölkerung bei weitem übertrifft. Bilden doch die Juden die große Majorität der im Handel Beschäftigten, haben einen unverhältnismäßig hohen Anteil an Gewerbe und ^Industrie, was sich auch schon darin deutlich zeigt, daß die