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Die Freistatt · 1914-03-31 · Heft 12 (31.3.1914) · p. Seite 735

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 12 (31.3.1914)
Article
Ein Sieg
Date
1914-03-31
Page
Seite 735 (sequence 3)
Language
German
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734 Vom jüdischen Leben und Schaffen ein gesprochenes Hebräisch. Selbst die Konferenz der Histadruth konnte für Europa nur an Gruppen von Hebräischsprechenden, nicht an das Hebräisch als Volkssprache denken. Wenn nun aber das Kind durch die jüdische Schule der natürlichen Volkssprache, dem Jiddisch, entzogen wird, und man ihm dafür eine Verbindung des Hebräischen mit der Landessprache gibt, dann wird dieses Hebräisch die Konkurrenz der Landessprache nicht ertragen, und unsere jüdischen Schulen werden uns ein nichtjüdjsches Geschlecht erzogen haben Wir werden Zirkel von Hebräischsprechenden haben und hinter ihnen wird kein Volk stehen. Wenn Zionisten mit dem Plan hebräischer Schulgründungen Versuche machen wollen, dann muß es dort geschehen, wo das Volk nicht jiddisch spricht, wo wir also nichts zu verlieren haben. Wo aber das Jiddische Volkssprache ist, da ist auch die jiddische Unterrichtssprache das Natürliche, und es wird an uns liegen, darüber zu wachen, daß den hebräischen Unterrichtsgegenständen die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wird**1 Und dies slles sagt Dr. Bergmann! Dies Plaidoyer für Jiddisch — das sogar um einige Grade sprachmaterialistischer ist als das mancher „Jiddischisten*, als das meinige sicherlich — hält ein Mann, der bisher als ein hebraistischer Ultra galt und jedenfalls einer der aktivsten Hebraisten ist l Wenn das nicht ein Symptom des Vordringens des jiddischen Sprachgedankens bedeutet, dann gibt es überhaupt keine Symptome mehr. Wenn das nicht Sieg bedeutet, was könnte dann noch Sieg heißen? Und wahrlich, ieh will mir die Freude an diesem Sieg auch nicht durch die Fußnote verderben lassen, die die Redaktion der „Welt" etwas gewaltsam zu einer Stelle des Bergmannschen Artikels bringt, und in der sie darauf verweist, daß die Jiddischisten in der Konferenz der russisch - jüdischen Bildungsgesellschaft gegen die Aufnahme des hebräischen Bibelunterrichts, ja zum Teile sogar des Bibelunterrichts überhaupt in den Letfrplan gestimmt hätten. Denn nicht nur weiß ich mich frei von jedweder Uebereinstimmung mit Bestrebungen, die darauf abzielen, den originalen Unterricht in den großen, hebräisch und aramäisch geschriebenen Grundwerken unserer Kultur und Literatur aus der jüdischen Schule zu verbannen, sondern ich #eiß auch, daß so wie ich Tausende und Abertausende Anhänger des Jiddischen denken, und daß die notwendige Entwicklung diesen Standpunkt zum allgemeinen machen muß, ja ich sehe daß sie ihn auch wirklich täglich immer mehr zum allgemeinen macht* Und ich kann mich auch nicht blind dagegen stellen, daß, wenn die extremen Jiddischisten sündigen, die Sünden der extremen Hebraisten noch tausendfach ernster sind, Denn wer das jüdische Volk jiddischsprechend erhalten und dabei das hebräischaramäische Geistes- und Kulturgut der Vergangenheit aus ihr beseitigen will, arbeitet mit seiner ersten seiner zweiten Absicht selber entgegen. Wer aber das lebende Reich der jüdischen Seele zerstören und ein neues auf dem Flugsand eines neuhebräischen Sprachmaterialismus gründen will, leistet durchaus destruktive Arbeit. Die paar Jiddischisten, die, so sehr sie sich auch in manchem vergreifen mögen, speziell mit der Forderung einer jiddischen Volksschule an einem großen jüdischen Volkswerk beteiligt sind, sind weniger bedenklich als diejenigen, die an die Stelle der hebräischen Innerlichkeit noch jüngstvergangener Zeiten eine hebräische Aeußerlichkeit setzen, die in hebräischer Sprache das jüdische Erziehungswerk rationalisieren, geistig enthebraisieren, das alte Bibeltum des jüdischen Volkes zugunsten allerlei angeflogener Fremdgeistereien und geistiger Eintagsmoden von der Tagesordnung setzen wollen Ich bedaure es sehr, daß die Redaktion der „Weit* es sich nicht versagen konnte, die Bergmannschen Ausführungen in ihrer wuchtigen Wirksamkeit und damit ihr eigenes großes Verdienst, den Artikel gebracht zu haben, zu schwächen und zu schmälern. Man merkt die Absicht und könnte leicht verstimmt werden, wüßte man nicht, wie Not langsam erkennen lehrt. Einmal kommt ja doch noch die Zeit, wo Artikel wie der Bergmannsche in

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