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Die Freistatt · 1914-03-31 · Heft 12 (31.3.1914) · p. Seite 734

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 12 (31.3.1914)
Article
Ein Sieg
Date
1914-03-31
Page
Seite 734 (sequence 2)
Language
German
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* Vom jüdischen Leben und Schaffen 733 dingtheit — anknüpfend einerseits an die Tagung der „ Mef ize haskolo* in St, Petersburg, andererseits an die von den galizischen Zionisten beschlossene Gründung von hebräisch - polnischen Kindergärten — einen Artikel geschrieben, dessen ich mich, aufrichtig gestanden, seinerseits nie versehen und dem ich in den Spalten der »Welt*, dazu noch an leitender Stelle, nie zu begegnen erwartet hätte* Ich meine den Aufsatz „Unsere Stellung zum Jiddischen* in Nr. 8 der erwähnten Zeitschrift (vom 20 Februar 1914). Selbstverständlich geht Dr Bergmann von seinem und nicht von meinem Standpunkte aus, und ich kann es ihm daher nicht verdenken, wenn ihm die Argumente der „Jiddischisten" (selbst die des Poaleztonisten Dr, Schipper) fast als dieselben erscheinen, „die wir aus dem Munde der Assimilanten zu hören bekommen." Ich teile auch nicht seine Besorgnisse betreffs der Zukunft des Jiddischen und insbesondere nicht seinen Schreck vor der Enthebraisierung oder Germanisierung der Sprache Trotzdem er sich gerade diesen Schreck von keinem Geringeren als Berdyczewski bestätigen läßt (Die beiden Männer sehen nicht, daß hier nur die im Keime schon überwundenen Tendenzen der maskilischen Halbvergangenheit noch einige Zeit fortwirken, während die Gegenwart schonmit der entgegengesetzten Tendenz sehr lebhaft an der Arbeit ist). Schließlich will mir auch seine Skepsis in Bezug auf eine neue religöse Bewegung im Judentum nicht gefallen, — eine Skepsis, die ich bei ihm, einer der Hauptsäulen der „Prager* .religiösen* Richtung, wenn auch nicht mit Überraschung, so doch mit einer gewissen Freude am Pikanten feststelle. Aber ich verzeihe ihm alles dies und manches andere fegenüber dem großartigen und mutigen eugnis, daß er für Jiddisch ablegt. Man ist förmlich in Verlegenheit, auf welche Stellen des Artikels man besonders hinweisen soll. So viele sind der Sätze, die an dem Orte, an dem sie veröffentlicht sind, und in dem Munde, der sie formte, geradezu wie verblüffende Offenbarungen wirken, Nachdem Dr. Bergmaun die „unsäg* lieh mühevolle und wenig dankbare Judaisierungsarbeit der westlichen Zionisten* geschildert hat („Wenn von hundert Zionisten einer Hebräisch erlernt, müssen wir glücklich sein, von Nichtzionisten garnicht zu sprechen. So sieht unser .nationales Leben* aus *), geht er auf das Ostjudentum über. „Sie (die östlichen Zionisten) haben*, sagt er, „ein jüdisches Volk vor sich, das sie nicht erst jüdisch zu machen brauchen. Sie haben es nicht notwendig, ihr Judentum zu unterstreichen, damit es sich aus den übrigenLebenszusammenhängen heraushebe; siebrauchen nicht erst künstlich zwischen dem Judentum uud dem Leben Zusammenhänge herzustellen. Der Ostjude braucht nur zu leben, und er lebt jüdisch. Diese Selbstverständlichkeit des Jüdischseins verdankt er (nach den „ungeheuren Umwälzungen, die sich in den letzten fünfzig Jahren im Leben der östlichen Juden vollzogen haben*, speziell sind auch „die religiösen Bedingungen gelockert*4) vor allem der jiddischen Sprache. Aber Dr. Bergmann zieht auch die gehörigen Folgerungen aus seiner Erkenntnis. Ohne Scheu schreibt er Worte wie die folgenden nieder: „Man ist in zionistischen Kreisen theoretisch für das Hebräische und spricht faktisch — polnisch und russisch Und der Verlust an nationalen Werten, der dadurch entsteht, daß ein jiddisch erzogener Intelligenzler unter dem Einfluß jener Parole zum Polnischen übergeht, kann durch eine noch so gut gemeinte und tüchtige nationale Arbeit des Betreffenden kaum wettgemacht werden*. Ja, er fügt noch hinzu: „Man kann sich heute nicht mehr darauf berufen, es sei einem Jntellektullen nicht möglich, Jiddisch zusprechen, denn die Sprache sei hierfür nicht genug ausgebildet; wäre dies aber doch wahr, dann gehörte es zu unseren vornehmsten Pflichten, das Jiddische in dieser Richtung auszubauen*" Den Folgerungen schließen sich die Forderungen an. „Das aber scheint mir sicher,* führt Herr Dr. Bergmann aus, „daß die neuerdings aufgekommene Parole Hebräisch-Polnisch oder Hebräisch - Russisch das allergefährlichste ist, was man für ein Schulprogramm ersinnen konnte. Denn — darüber dürfen doch gerade wir Zionisten uns am allerwenigsten täuschen — im Galuth ist alles Leben gegen

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