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Die Freistatt · 1914-03-31 · Heft 12 (31.3.1914) · p. Seite 720

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 12 (31.3.1914)
Article
Cinéma
Date
1914-03-31
Page
Seite 720 (sequence 7)
Language
German
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Arnold Zweig, Cinema 719 war! nicht schön, nicht begehrenswert war, nicht gemacht für untätiges Glück! Aber das Klavier beginnt etwas Getragenes, und siehe: ein Blockhaus ist bedroht, gleichgültig warum, eine Botschaft muß gebracht werden, gleichviel an wen, und jemand wirft sich aufs Pferd und reitet, reitet und die Verfolger hinter ihm her. Aber dies Reiten: hat jemand derartiges geahnt ehe es hier wirklich wird? Bill — heißt er nicht so? wird hinten sichtbar, ganz weit weg, ein Punkt — und man kann kaum dreimal atmen, kaum dreimal den atemlos bohrenden Finger — denn sein Taschentuch klebte hart und grün wie ein runzeliges Aepfelchen an der Taschenwand — im lustvoll geblähten Nasenloch umdrehen, ehe er da ist, ganz groß, rasend, in einem übermenschlichen Galopp . . . Und die Feinde reiten ebenso! Ein neues Pferd! ohne Anhalten hinauf, und weiter, dahin, zum Ziel: dann rauchen die Revolver, und die Verfolger stürzen; gerettet aber ist das Vaterland, die Braut und die Ehre der Familie . . . Das Herz Benno Bremms ruht aus, müde, siegreich und selig. Gebenedeites Amerika! Woher käme uns sonst solche Kunst! Was wäre imstande, all unsere Muskeln so zu spannen, unser Blut zu jagen, unsere Lungen an die Rippen zu drücken! Der Schatten Karl Mays schwebt über dir, Edelmut, Winnetou, Shatterhand, Gold, Blut und Fäuste . . . Ach, warum war man nicht ein Abenteurer frei und stark, und preßte die Schenkel an den keuchenden Gaul. Nach einer kurzen Pause, zur Vorbereitung des Großen Films, erlosch das Licht wieder: erscheinen würde Sie. Eine Geige sang voller Schmachten, und das sanft quäkende Getön eines Harmoniums bereitete eine feierliche Rührung von S i e erschien, weiß, schmal und schwarzäugig. Ein Geschick vollendet sich, ein Dasein wird gelebt . . . Junges Herz, in Notdurft und Häßlichkeit und alltäglichem Elend — wir sind nicht so hart wie dein Vater, wir schlagen dich nicht und weisen dich hinaus, weil du einmal glücklich sein wolltest und jenem jungen Edelmann den Mund schenktest und den Leib, ihm, der dich auf der Vordertreppe küßte, als du sie frühmorgens — denn du bist nur Portierstochter — mit dennoch unumgänglich weißen Händen scheuertest und wuschest Und wie schön du bist in den neuen Gewändern, die er dir gab, der Staunenden! Nun bist du also glücklich, so ist das Glück — auch wir sind es mit dir. Doch warte nur — — und siehst du: schon ist er deiner satt . . Dein Kind, das kommen wird? Aber er gibt dir Geld . . . und du mußt es nehmen, denn dir bleibt nichts . . . Uebrigens wird es nicht lange vorhalten. Auf der Straße hast du ihn gesehn, mit seiner schönen, reichen Braut, und in deinem Zimmer ist's eisig kalt und so trostlos

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