Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (31.3.1914)
- Article
- Das rote Heft
- Date
- 1914-03-31
- Page
- Seite 712 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
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- IRI
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Davis Trietsch, Das rote Heft 711 nichts davon; denn dann wird ja dieser Passus gestrichen). „Die Wahrheit über Palästina" wird hier verlangt. Die zionistischen Schilderungen von der Kolonisation werden als „hyperamerikanische grellste Beleuchtungseffekte" hingestellt. Und weiter heißt es: „Jene unselige Verkuppelung der großen Ewigkeitsprobleme des jüdischen Volkes mit den lokalen Fragen und kleinen Nöten zwerghafter jüdischer Siedelungen in Palästina muß endlich auseinandergerissen werden* Der Wahnsinn aber, auf die großen jüdischen Fragen der Emigration, der Kolonisation, der Kultur und der Politik immer wieder mit derselben impotenten Formel „Palästina" zu antworten, kann nur dadurch geheilt werden, daß man das ruhige, untrügerische Tageslicht endlich auch über Palästina scheinen läßt und damit die Palästinahysterie unschädlich macht." Vielleicht irre ich mich, aber es scheint mir, als ob solche Ausführungen sich gegen niemanden stärker richten als gegen mich. Ich weiß niemanden, der sich mehr bemüht hätte, die Durchführbarkeit einer großen Kolonisation in Palästina zu erweisen. Ich sehe durchaus nicht, daß die „Partei" die tatsächliche Kolonisation in nennenswerter Weise ermutigt, und sehe ich mich veranlaßt, hier einiges über den Optimismus in Palästinadingen zu sagen, der mir vielfach vorgeworfen wird, und den man — soweit meine Kenntnis reicht — der Parteileitung in ihren Handlungen kaum vorwerfen kann. Habe ich ihr doch im Gegenteil in jener Kongreßnummer der ,Freistatt* gerade ihre Mutlosigkeit in Hinblick auf die Kolonisation als schwersten Fehler angerechnet. Nun ist es mit dem Optimismus eine eigene Sache. Ich kann nicht gut verstehen, wie eine „Bestrebung" ohne Optimismus gemacht werden kann. Mit Pessimismus geht es jedenfalls nicht. Wenn beide Ismen vorhanden sind, so muß meines Erachtens der Optimismus ganz gehörig überwiegen. Ueberwiegt er nur wenig, so muß ganz selbstverständlich in solchem Falle die Bestrebung an der Schwäche dieses Ueberschusses kranken. Ich glaube ungefähr genug Pessimismus auch zu haben. Grund habe ich jedenfalls genug dazu. Wie schwer es ist, eine Organisation ihrem eigenen Programme näherzubringen, hat kaum jemand in dem Maße erfahren wie ich, und ich müßte wer weiß was sein, um nach solchen Erfahrungen selbst die scheinbar durchführbarsten Dinge für leicht zu halten. Ich habe es auch oft genug ausgesprochen, daß unser Ansiedlungswerk alle Schwierigkeiten des Lebens umfaßt, und sogar noch zuzüglich einer sehr ungewohnten Schwierigkeit, nämlich