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Die Freistatt · 1914-03-31 · Heft 12 (31.3.1914) · p. Seite 708

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 12 (31.3.1914)
Article
Die Judenfrage in Österreich u. ihre Zukunft
Date
1914-03-31
Page
Seite 708 (sequence 10)
Language
German
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Benzion Rubstein, Die Judenfrage in Oesterreich usw. 707 ^^^^^^^■^H^^aHHHB^Hfl^^^^H^^^^BMMftMW^Hi^^VH^taBtoHMaiVWMMHMWAAMVMil^BP^^^^^M« um mehr als 7 Prozent ab* Diese Länder werden immer judenreiner.*) Aber auch die wenigen Juden sind Juden fast nur nach ihrer Religion. Wenn man in den Fragebogen der Volkszählung die Rubrik „Nationalität" einführen wird — möglicherweise schon bei der nächsten Volkszählung —, so wird sich in diesen Ländern ohne Zweifel bloß ein geringer Teil der Juden zur jüdischen Nation bekennen, da sie hier ganz assimiliert sind. Es ist wohl möglich, daß es hier gar niemanden" geben wird, der die nationale Gleichberechtigung fordert, weil der „jüdischnationale" Teil — wie komisch uns Ostjuden dieser Ausdruck klingt! — der jüdischen Bevölkerung quantitativ geringfügig ist Die Proklamierung der nationalen Gleichberechtigung der Juden wird hier keine praktische Bedeutung haben, und schon das allein kann hinreichen, um diese Länder von einem Kampfe gegen sie zurückzuhalten. Die einzigen Länder, die wirklich blutig an der Judenfrage interessiert sind und wo die nationale Anerkennung der Juden tatsächlich starke Wirkung auf die nationalen Verhältnisse haben kann, sind die Bukowina, Galizien und Niederösterreich. Die* Stellung dieser Länder kann für das Schicksal der österreichischen Judenfrage einschneidende Bedeutung erlangen. Wie wird diese Stellung aussehen? Für die Bukowina ist sie uns schon bekannt. Die Nationalitäten „Klein-Oesterreichs" haben die nationale Gleichberechtigung der Juden schon lange proklamiert, und nur der Widerstand der Zentralregierung erlaubt es nicht, sie tatsächlich durchzuführen. Auch Galizien wird schließlich zu der gleichen Stellungnahme wie die Bukowina gezwungen sein, und — wie sonderbar es auch anmuten mag — gerade die bisher schärfsten Feinde der jüdischen Gleichberechtigung, die Polen, werden als die ersten zur Anerkennung dieser bitteren Wahrheit genötigt sein. Schon früher wurde erwähnt, daß in Ostgalizien 1 350850 Polen leben, d. h. ungefähr 30 Proz. aller galizischen Polen sind in der Lage einer nationalen Minorität (dazu kommen die polnischen Minderheiten in Schlesien und Mähren). Die Stunde der polnischen Herrschaft in Ostgalizien hat geschlagen. Sowohl auf politischem, als auch auf kulturellem Gebiet entwickeln sich die Ruthenen mit ungeheurer Schnelligkeit, und die Zeit, da sie im politischen Leben Ostgaliziens den ihnen nach ihrer Zahl gebührenden Platz einnehmen werden, ist nahe. Sie werden sicherlich nicht auf die Ausnutzung ihrer Majoritätslage verzichten und werden den Angriffskampf gegen die Polen auf- *) Genaueres darüber siehe in meinem Artikel »Der Untergang jüdischer Gemeinden-, „Freistatt- S. 362.

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