Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (31.3.1914)
- Article
- Die Judenfrage in Österreich u. ihre Zukunft
- Date
- 1914-03-31
- Page
- Seite 709 (sequence 11)
- Language
- German
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708 Benzion Rubstein, Die Judenfrage in Oesterreich usw. nehmen. Und dann .... werden die Polen an Mittel denken müssen, ihre nationalen Minoritäten im nichtpolnischen Gebiet zu schützen, und werden vor allem die nationale Gleichberechtigung der Juden anerkennen müssen, weil sie nur dadurch den ruthenischen Charakter Ostgaliziens abschwächen können. Mit derselben Heftigkeit, mit der sie jetzt die Schwächeren (Juden und Ruthenen) zu unterdrücken bestrebt sind, mit der gleichen Energie werden sie in dem Augenblicke die Rechte der nationalen Minoritäten zu verteidigen beginnen, da die Ruthenen die Herrschaft in Ostgalizien erlangen. Dem größten Widerstand wird die jüdische Forderung bei den Deutschen Niederösterreichs begegnen, weil die nationale Anerkennung der Juden den deutschen Charakter der Reichshauptstadt Wien sehr beeinträchtigen wird. Es ist möglich, daß sich aus diesem Grunde auch die Deutschen anderer österreichischer Länder, die an und für sich kein Interesse an der Unterdrückung der Juden haben, gegen die Anerkennung der Juden aussprechen werden. Das erschwert unsern Kampf gewiß, aber hoffnungslos ist er darum nicht. Man muß erwägen, daß schließlich die Deutschen nicht die einzigen Herren des Landes sind und im ganzen nicht mehr als 30 Proz. der österreichischen Bevölkerung bilden. Ich fasse zusammen: Außer den Juden gibt es schon jetzt in Oesterreich eine ganze Reihe von Nationalitäten (Italiener, Slowenen und auch Polen), die objektiv an der exterritoriellen Lösung der nationalen Frage interessiert sind. Die wachsenden Sprachverschiebungen, die mit der Entwicklung des Kapitalismus parallel gehen, werden auch die nationalen Minoritäten der übrigen österreichischen Völker vergrößern und sie dadurch an der Erneuerung des Staates auf einer die Rechte der nationalen Minderheiten sichernden Basis interessieren. Auch für die nationale Minorität par excellence, für die Juden, wird man diesmal keine Ausnahme machen können, weil in Ländern, wo sie am /ahlreichsten sind (Qalizien, die Bukowina und teilweise auch Böhmen, Mähren und Schlesien), ihre Anerkennung von Wichtigkeit ist Auch die übrigen Völker — außer den Deutschen Niederösterreichs und vielleicht in Verbindung damit denen der übrigen Länder — haben keinerlei Interesse an der nationalen Unterdrückung der Juden, weil sie keinen Nutzen davon hatten. (Aus dem jiddischen Manuskript übersetzt)