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Die Freistatt · 1914-03-31 · Heft 12 (31.3.1914) · p. Seite 707

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 12 (31.3.1914)
Article
Die Judenfrage in Österreich u. ihre Zukunft
Date
1914-03-31
Page
Seite 707 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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706 Benzion Rubstein, Die Judenfrage in Oesterreich usw. Demgemäß läßt sich in der Entwicklung und Bewegung der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs gar kein Anzeichen für ein Streben nach gleichmäßiger Zerstreuung über das Land hin und nach Zerbröcklung in unbedeutende kleine nationale Minoritäten finden. Die obengebrachte Tabelle zeigt aber auch, welche Stellung die österreichischen Nationalitäten in der Zukunft — wenn das habsburgische Kaiserreich auf dem Fundament der nationalpersonalen Autonomie neu errichtet werden wird — zu der Forderung der nationalen Gleichberechtigung der Juden ein* nehmen werden. Vor allem sieht man, daß es 10 Länder gibt (Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Kärnten, Krain, Görz und Gradiska, Istrien,. Tirol, Vorarlberg und Dalmatien), die eine Bevölkerung von über 6 Millionen haben, wo eine Judenfrage einfach aus dem Grunde nicht existiert, weil es dort fast gar keine Juden gibt. Nur vier der erwähnten Länder (Oberösterreich, Steiermark, Tirol und Vorarlberg) haben eine jüdische Bevölkerung von über 1000 Seelen. Die Juden bilden hier nirgends mehr als 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Diese Länder selbst haben kein Interesse an der nationalen Unterdrückung der Juden, es kann ihnen keinerlei politischen Nutzen bringen, Sie werden sich daher zu der Judenfrage neutral verhalten, jedenfalls werden wir sicherlich in ihnen keine Gegner der jüdischen Gleichberechtigung haben. („Die Menschen sündigen nur für sich selbst!") Dann kommen die Länder mit dünner jüdischer Bevölkerung — Böhmen, Mähren, Schlesien und die autonome Gemeinde Triest — mit einer Seelenzahl von mehr als 10 Millionen. Hier ist die jüdische Bevölkerung absolut schon einigermaßen bedeutend. Diese Länder haben zwar ein mehr oder minder großes Interesse an der Lösung der Judenfrage, doch braucht man von ihnen keinen starken Widerstand gegen die Gleichberechtigung der Juden zu erwarten, da es Nationalitäten-Gegenden par excellence sind, wo die Völker schon deshalb auf die jüdische Gleichberechtigung werden eingehen müssen, weil ihnen die Aufteilung der Juden untereinander nicht möglich sein wird, und diese eine fortwährende causa belli für sie sein werden. Die radikalen Tschechen äußern schon jetzt sehr oft ihre Sympathie für die nationale Anerkennung der Juden. Uebrigens muß bemerkt werden, daß die Wichtigkeit der Judenfrage in den er* wähnten Ländern von Jahr zu Jahr kleiner wird* In den beiden größten Ländern, Böhmen und Mähren, verringerte sich in den letzten 20 Jahren die absolute Zahl der Juden in steigendem Maße. Im letzten Jahrzehnt nahm die jüdische Bevölkerung hier

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