Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (31.3.1914)
- Article
- Die Judenfrage in Österreich u. ihre Zukunft
- Date
- 1914-03-31
- Page
- Seite 706 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119813-3121515--1280-3121581- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Benzion Rubstein, Die Judenfrage in Oesterreich usw. 705 Gesamtzahl der Juden: Länder Absolute Zahl % d. Gesamtbevölkeroog 1880 1890 1900 1910 I 1880 1890 1900 1910 Niederöslerreich Oberösterreich Salzburg . Steiermark Kärnten Krain Triest u. Gebiet Götz u. Gradiska Istrien Tirol u. Voralberg Böhmen Mähren Schlesien Galizien Bukowina Dalmatien 95058 1056 115 1782 114 96 4640 319 171 542 94449 44175 8580 67418 283 128729 1078 157 1979 164 89 4708 331 229 737 94479 45325 10042 686596772213 82717 329 157278 1280 199 2283 212 145 4954 295 285 1125 92745 44255 11988 811371 96150 334 184779 1215 285 2895 341 146 5428 338 677 1750 85826 41158 13442 871906 102919 523 4,1 0,1 0,1 0,2 0,0 0,0 3,2 0,2 0,1 0,1 1,7 2,1 1,5 11,5 11,8 0,1 4,8 0,1 0,1 0,2 0,1 0,0 3,0 0,2 0,1 0,1 1,6 2,0 1,7 11,7 12,8 0,1 5,1 0,2 0,1 0,2 0,1 0,0 2,8 0,1 0,1 0,1 1,5 1,8 1,8 11,1 13,2 0,1 Vor allem bemerkt man, daß in den letzten 30 Jahren außer Niederösterreich (d. h. eigentlich bloß Wien) und auch der Bukowini im ersten Jahrzehnt kein Land eine größere Anziehungskraft für die jüdische Bevölkerung Oesterreichs besaß (eine Zuwanderung einzelner wird nicht in Rechnung gezogen). In der gleichen Periode wiesen einige Länder (Galizien, Böhmen, Mähren und zuletzt auch die Bukowina) eine starke jüdische Auswanderung auf. Allein aus Galizien wanderte in diesen dreißig Jahren beinahe eine Viertelmillion Juden aus (236 000). Aber diese Emigranten ließen sich (außer den in Wien bleibenden) nicht in den Ländern Oesterreichs, wo es fast keine Juden gibt, nieder — oft hatten sogar diese eine jüdische Auswanderung —, sondern gingen nach Amerika. Es ist charakteristisch, daß die jüdische Binnenwanderung, soweit sie vorhanden ist, zwischen Ländern mit ungefähr gleich dichter jüdischer Bevölkerung oder aus Ländern mit dünnerer in solche mit dichterer jüdischer Bevölkerung stattfindet, wodurch sie die Dichtigkeit der Juden noch mehr verstärkt. Sc zog die Bukowina im ersten Jahrzehnt die jüdische Bevölkerung aus Galizien an, und für Wien gilt dies nicht nur mit bezug auf Galizien und die Bukowina, sondern auch für Böhrren und Mähren, also die Länder, wo die Juden mehr als 1 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden (Böhmen 1,3 Prozent, Mähren 1,6 Prozent).