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Die Freistatt · 1914-03-31 · Heft 12 (31.3.1914) · p. Seite 705

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 12 (31.3.1914)
Article
Die Judenfrage in Österreich u. ihre Zukunft
Date
1914-03-31
Page
Seite 705 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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704 Benzion Rubstein, Die Judenfrage in Oesterreich usw. Nur in Krain und Görz und Gradiska bilden die Slowenen hier die Mehrheit der Bevölkerung. Im ganzen leben hier 644 542, d. h. 51,5 Prozent der gesamten slowenischen Bevölkerung, und fast die Hälfte (48,5 Proz.) bildet nationale Minoritäten, mancherorts sogar sehr schwache (21 Proz. in Kärnten und 14 Proz. in Istrien), Die nationale Frage dieser Völker läßt sich durchaus nicht territorial lösen. Sie sind daher unsere natürlichen Mitstreiter für eine Staatsordnung, in der die Rechte der Minderheiten gesichert sind. Doch nicht sie allein sind unsere Kampfgenossen. Noch ein Volk mit großen nationalen Minoritäten gibt es in Oesterreich. Schon jetzt bilden die außerhalb des Gebietes der polnischen Majorität lebenden Polen ungefähr 40 Prozent der polnischen Gesamtbevölkerung Oesterreichs. In Ostgalizien, im Gebiete der ruthenischen Mehrheit, lebten 1910 1 350850 Polen. Auch in Schlesien und Mähren haben sie Minoritäten* Jetzt herrscht in Galizien die polnische Nationalität, so daß die Rechte ihrer größten Minorität (in Ostgalizien) in Sicherheit sind — richtiger wäre gesagt, die polnische Minderheit in Ostgalizien sei privilegiert —, aber die Zeit, da diese Minoritäten dem polnischen Volke viel Sorge bereiten werden, ist recht nahe. Auch die Polen werden zu der Ueberzeugung gelangen, daß die beste Gewähr für die Rechte ihrer nationalen Minoritäten nur in der nationalpersonalen Autonomie liegt Hier entstehen für uns folgende Fragen: 1. Führt die Entwicklung Oesterreichs zu einer immer stärkeren Zerstreuung der jüdischen Massen, zu einer Zerbröcklung der österreichischen Judenheit in eine große Anzahl unbedeutender Minoritäten, denen soear die nationalpersonale Autonomie nicht helfen kann? Und 2. Ist es nicht möglich, daß auch bei dem zukünftigen Neubau des österreichischen Staates auf der Grundlage der personalen Autonomie das „eiserne Gesetz" der bisherigen jüdischen Geschichte gilt — das „Außer des Juden!" —, wie es z. B. in Oesterreich bei der Proklamierung der nationalen Gleichberechtigung im Jahre 1848 der Fall war? Um eine Antwort auf diese beiden wichtigen Fragen zu finden, muß man einen Blick auf die Entwicklung und Bewegung der jüdischen Bevölkerung in den verschiedenen Ländern Oesterreichs werfen, und zwar für die Zeit der letzten 30 Jahre (die Volkszählung von 1869 gibt nämlich keine besonderen Zahlen für die Juden in den einzelnen Ländern).

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