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Die Freistatt · 1914-03-31 · Heft 12 (31.3.1914) · p. Seite 689

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 12 (31.3.1914)
Article
Vom moralischen und künstlerischen Typus
Date
1914-03-31
Page
Seite 689 (sequence 14)
Language
German
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688Di\ Seligmann, Vom moralischen und künstlerischen Typus begreiflich wird, wenn man bedenkt, daß Spinoza es mit seinen Definitionen auf das Ganze des Universums abgesehen hat, das weder durch etwas bestimmt wird, noch auf etwas bestimmend wirkt, weder frei noch notwendig zu nennen ist, sondern in absoluter Indifferenz ewig verharrt Denn nicht nur die Gezwungenheit und das Bewirktvverden setzt einen äußeren Faktor voraus, sondern auch jegliches Bewirken und jegliche freie Kraftentfaltung bedarf eines äußeren Objekts, an dem sich der Tätigkeitsimpuls erst zu entzünden hat. Wo keine Zweiheitlichkeit da ist, ist freilich kein Zwang von außen vorhanden, aber auch kein positiver, bestimmender Akt Die absolut einheitliche Substanz Spinozas ist nicht notwendig, aber auch nicht frei. Handelt es sich also um diese Substanz, so ist es allerdings richtig, daß hier Notwendigkeit und Freiheit zusammenfallen, da Freiheit und Notwendigkeit hier die Bedeutung von Grenzbegriffen haben; es ist ein Minimum von Freiheit und ein solches von oNtwendigkeit gemeint, und das Minimum von Freiheit ist dem von Notwendigkeit vollständig gleich. Die Kantische Deutung der moralischen Forderung ist ebenfalls sehr wenig dazu angetan, dem Prinzipe der Freiheit restlos gerecht zu werden. Denn wiewohl Kant den Begriff der Freiheit nicht in diesem rein negativen Sinne faßt, als eine Abwesenheit des Zwanges, wie es bei Spinoza der Fall ist, und ihm umgekehrt die Bedeutung eines aktiv-schöpferischen Impulses, einer freien Kraftentfaltung, eines bestimmenden und bewirkenden Prinzips gibt, so verfällt er doch wiederum in das andere Extrem, indem er diesem aktiven Impuls einen überindividuellen, überpersönlichen und folglich auch apersönlichen Charakter verleiht und aus der freien Kraftentfaltung eine zwingende Gewalt macht. Dieses zweideutige Hinüberschillern von Persönlichem ins Apersönliche macht aus dem Kantischen Freiheitsprinzip ein zwitterhaftes, widerspruchsvolles Gebilde, das ganz ungeeignet ist als Richtschnur des Handelns und Wirkens zu dienen. In der Natur des Willens liegt es nämlich, Forderungen zu stellen und Bestimmungen zu fällen — und insofern würde eine solche Fassung als adäquate Formulierung des persönlichen Faktors dienen können. Nun wird aber unter diesem Willen eine überempirische Macht verstanden, die sich mit ihren Protesten nicht an die unpersönlichen Faktoren der Umgebung richtet, in welchem Falle die Stellung der Persönlichkeit richtig gekennzeichnet würde, sondern lediglich an unsere persönlichen Neigungen und Bestrebungen wendet Der Dualismus, der hier konstituiert wird, ist nicht der zwischen Persönlichkeit und Sein, sondern ein solcher zwischen zwei Arten von Willen, einem überempirischen und apersönlichen, und einem empirischen

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