Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 11 (20.2.1914)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Palästina III
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 643 (sequence 6)
- Language
- German
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642 I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina III Oeffentlichkeit zu werben. Das wird noch auf lange dem neuen Jischew viel Schaden bringen. Nicht weniger als auf den richtigen Wirtschaftsinhalt kommt es auf die Formen von Wirtschaft und Arbeit an. Besieht man sich die arabische Felderteilung und die arabische Arbeitsweise, die in fast allen jüdischen Kolonien eingeführt sind, so überzeugt man sich bald, daß so primitiv sie auch sein mögen, sie den Bedingungen des Landes nicht schlecht angepaßt sind. Der arabische Pflug gräbt nur die oberste Humusschicht um, und dadurch wird dieser magere Boden sehr vor Auszehrung geschont. Als nicht minder praktisch hat sich das arabische Dreschbrett erwiesen. Die europäischen Maschinen dagegen arbeiten dort unter erheblich ungünstigeren Verhältnissen: Der Boden ist häufig mit Gestein übersät; der europäische Pflug versagt dort und erst recht die Mähmaschine, die eine glatte Fläche nötig hat. Oder aber die Gerste kommt so wenig hoch, daß man sie mit der Maschine gar nicht schneiden kann. Die europäische Dreschmaschine ist auch kaum brauchbar; sie zerreibt die Streu, die dort trocken und hart ist, nicht in dem Maße, daß sie dem Vieh gegeben werden kann. So sehr nun dieses arabische Arbeitssystem den Landesverhältnissen entspricht, ist es für den jüdischen Bauer zu wenig ertragreich. Der Araber ist ja von einer lächerlichen Bedürfnislosigkeit — ihm genügen die kümmerlichen Erträge einer derartigen Wirtschaft Der Jude kann es damit nicht aushalten. Ihn kosten häufig genug allein die Auslagen für den Wächterdienst mehr als das, was der Araber das Jahr über verbraucht. Der jüdische Kolonist kommt ohne Schule für die Kinder, ohne Apotheker und Arzt, und meistens auch ohne Zeitungen oder Bücher nicht aus. Dazu hat er für Wächterdienst und auch nebenher der Regierung nicht wenig zu zahlen.*) Auch *) Hier sind die genauen Zahlen von dem, was 1911 einige Kolonien an solchen Ausgaben zu tragen hatten. A) C heder a: 1. Arzt, Hebamme, Feldscher und Apotheke 7000 Frs.; 2 Sekretär und andere Angestellte 2040 Frs; 3. Reisespesen der Verwaltungsmitglieder 1000 Frs.; 4, Wächterdienst; für die Kolonie 4700 Frs; für Felder Orangengärten 7000 Frs.; 5. Schächter 1300 Frs.; 6 Schule 3420 Frs; 7. Post und Diligence 800 Frs,; 8. Wasserschöpfen 1100 Frs; 9 Tierarzt 1200 Frs.; 10 Prozeßkosten 2000 Frs; 11 kleinere Ausgaben 2700 Frs. Summa: 34620 Francs. Dazu an Steuern und dem Zehnten 24000 Frs. Es entfallen so auf jeden Kolonisten 1664 Frs, B) Kastin ie: 1. Feldscher 1112 Frs; 2. Sekretär 299 Frs; 3. Muchtar 245 Frs; 4 Wächter 1403 Frs; 5 Schächter 655,2 Frs; 6, Kindergarten 35,3Frs.; 7, Schule 70 Frs.; 8. Post 68,5 Frs; 9. Reparaturen am Sumpfwerk 417,5 Frs.; 10. Bad 202,7 Frs.; 11. Sesamverkauf 37,2 Frs.;!2. Für Geldleihen 78 Frs; 13. Kleine Ausgaben 747,6 Frs.; 14. Regierungsabgaben 12,1 Frs (Werka und auch die Schule bezahlt die Chowewe-Zion); 15. Zehnt 8802,7 Frs. Su mma: 15384,4 Frs. Auf jede Familie entfallen 809,7 Frs,