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Die Freistatt · 1914-02-20 · Heft 11 (20.2.1914) · p. Seite 642

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 11 (20.2.1914)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina III
Date
1914-02-20
Page
Seite 642 (sequence 5)
Language
German
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I. Lew in, Die jüdische Kolonisation in Palästina III 641 Stadter den geringen Bedarf Jaffas und Haifas an Blumen, Gemüse und dergleichen decken die deutschen Kolonien, und zudem unterbieten hier überall die Araber den Markt. Davon, derartige Produkte zu exportieren, spricht heute schon niemand mehr. Auf dergleichen Medizinalkulturen die Zukunft des Jischew basieren oder auch nur größere Hoffnungen auf sie setzen — das ist eine unnütze und schädliche Phantasterei. Mehr ist von der Feldwirtschaft zu erwarten. Bei ihr hängt der Kolonist weit weniger vom Markt ab und kann den Hauptteil seiner Ernte für sich selbst verwenden: Brot, Futter für seine Arbeitstiere usw.; auch zahlt man in Palästina häufig genug die Regierungssteuer mit Weizen und entlohnt damit nicht selten den Araber. Seine Ernte verdirbt ihm nicht im Speicher, und er braucht kaum zu sorgen, wie er sie an den Käufer bringe. Deshalb ordnete die Ica, als sie des Barons Werk fortsetzte, für die alten Kolonien ein allmähliches Uebergehen zu ausschließlicher Feldwirtschaft an: mancherorts, so in Rosch- Pino, ließ sie Pflanzungen kurzerhand ausroden, um mehr Saatfläche zu gewinnen. Die neuen Kolonien sollten sogleich auf diese Grundlage gestellt werden. Das bedeutete aber ein Hinausgehen über alle Grundsätze vernünftiger Wirtschaftlichkeit. Die Ica-Verwaltung bedachte nicht, daß in Palästina Feldwirtschaft sich nicht mit Viehzucht oder mit ergiebiger Hauswirtschaft (Milch-, Geflügel- und Gemüsewirtschaft) vereinigen läßt. Feldwirtschaft stellt dort einen extrem einseitigen Wirtschaftsinhalt dar: eine einzige Mißernte wirkt hier fast immer dermaßen zerstörend auf die betroffene Wirtschaft, daß sie überhaupt nicht mehr hochkommen kann. Den Gefahren solch einseitiger Wirtschaftsweise läßt sich nur dadurch vorbeugen, daß man die fehlende Hauswirtschaft und Viehzucht durch einen anderen lohnenden Nebenzweig ersetzt — durch Pflanzungen. Darum fordern heute im ganzen nördlichen Galiläa die Kolonisten von der Ica, sie solle auch Pflanzungen anlegen; denn sie versprechen sich davon eine Aufbesserung ihrer jetzigen Lage. Auch heute stört es noch oft genug den Stand der Kolonien, daß ihr Wirtschaftsinhalt ohne Rücksicht auf die palästin ensischen Verhältnisse festgesetzt wird. Hier wie überhaupt im gesamten Siedlungswerk hat es sich gerächt, daß idealistische statt Rentabilitätserwägungen den Ausschlag gaben. Wer hier auch nur einen kleinen zionistischen Funken in sich verspürt, der hält sich berechtigt, wie ein Fachmann Theorien über die Siedlungsarbeit zum Besten zu geben und für sie vor aller

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